Trumps Zölle als "Eigentor": US-Handelsdefizit sinkt kaum
Zusammenfassung
- Das US-Handelsdefizit blieb 2025 trotz Trumps Zöllen mit 901,5 Milliarden Dollar nahezu unverändert, da Importe weiterhin die Exporte überstiegen.
- Studien zeigen, dass die Zölle fast vollständig von amerikanischen Importeuren und Verbrauchern getragen werden, nicht von ausländischen Staaten.
- Die Rechtmäßigkeit der Zölle wird aktuell vor dem Supreme Court verhandelt, nachdem Trump sie mit nationaler Sicherheit begründet hat.
Trotz der von Präsident Donald Trump verhängten hohen Zölle gegen Dutzende Länder ist das US-Handelsdefizit im vergangenen Jahr kaum gesunken. Die Importe von Waren und Dienstleistungen übertrafen deren Exporte um rund 901,5 Milliarden Dollar (761,08 Mrd. Euro), wie das Handelsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Das sind nur rund zwei Milliarden Dollar weniger als 2024.
Das Defizit geht auf den Warenhandel zurück: Es stieg um 2,1 Prozent auf fast 1.241 Milliarden Dollar, während der Überschuss im Dienstleistungshandel um 8,9 Prozent auf 339,5 Milliarden Dollar zunahm.
Trump hatte nach seinem Amtsantritt im Jänner 2025 zahlreiche Strafzölle eingeführt, darunter gegen Exportweltmeister China und die Europäische Union (EU). Der Republikaner hat immer wieder gesagt, sein Land werde ausgenutzt und den Protektionismus damit begründet. Für fast alle Waren aus der EU müssen seit August Zölle von 15 Prozent gezahlt werden - ein Mehrfaches des früheren Durchschnittswertes.
Zölle fast vollständig von Importeuren und Verbrauchern bezahlt
Studien zufolge werden die Zölle fast vollständig von amerikanischen Importeuren und Verbrauchern bezahlt. Diese tragen demnach 96 Prozent der Last, wie aus einer Untersuchung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hervorgeht. "Die Zölle sind ein Eigentor", sagte IfW-Forschungsdirektor Julian Hinz. Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle trügen, sei ein Mythos. Die Daten zeigten das Gegenteil. "Die Amerikaner bezahlen die Rechnung."
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie der regionalen Notenbank New York Federal Reserve, die von Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett kritisiert wurde. "Das Papier ist eine Schande", sagte Hassett am Mittwoch in einem Interview mit CNBC. "Es ist meiner Meinung nach das schlechteste Papier, das ich je in der Geschichte des Federal Reserve Systems gesehen habe." Die Verantwortlichen sollten vermutlich diszipliniert werden.
Zuletzt nahm das US-Handelsdefizit deutlich zu. Im Dezember erhöhte es sich um fast ein Drittel auf mehr als 70 Milliarden Dollar. Grund dafür waren sinkende Exporte, während die Importe gleichzeitig deutlich zunahmen.
Trump: Habe als Präsident das Recht, Zölle zu verhängen
Kurz vor einer möglichen Entscheidung des Obersten US-Gerichts über die Rechtmäßigkeit der Zölle hat Trump diese erneut gerechtfertigt. "Die Formulierung ist eindeutig: Als Präsident habe ich das Recht dazu, Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit gegen Länder zu erheben, die uns jahrelang ausgebeutet haben", sagte er auf einer Veranstaltung in Rome im US-Staat Georgia.
Trump nutzte das Podium, um auf vermeintliche Handelsungleichgewichte hinzuweisen und vor Gefahren für die heimische Wirtschaft zu warnen, sollte er keine Zölle erheben dürfen.
US-Präsident verärgert
Trump zeigte sich sichtlich verärgert darüber, dass er seit "vielen, vielen Monaten" auf eine Entscheidung des Supreme Courts warten müsse. Am Freitag könnte dieser final urteilen, ob der Präsident sich bei den Zöllen gegen Dutzende Handelspartner auf ein Notstandsgesetz berufen darf oder nicht.
Der "International Emergency Economic Powers Act" (IEEPA) aus dem Jahr 1977 besagt, dass ein Präsident im Krisenfall Dekrete erlassen kann, ohne den Kongress anrufen zu müssen. Trump argumentierte, ein dauerhaftes Ungleichgewicht im internationalen Handel gefährde die "nationale Sicherheit" und sah den Notstand im Land deshalb als erfüllt an.
Mehrere US-Unternehmen und Staaten zogen gegen diese Praxis vor Gericht. Untere Instanzen entschieden zu ihren Gunsten, doch Trump legte Berufung ein, sodass die Zölle zunächst bestehen blieben und das Verfahren schließlich vor dem Supreme Court landete.
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