Politik | Ausland
27.07.2018

USA: "Für Farmer geht’s ums Überleben"

US-Bauern in der Krise.:Trumps Hilfsgelder sollen die Probleme lindern, die nicht nur der Handelsstreit verursacht.

Schulden, Preisverfall für Agrargüter, überteuertes genmanipuliertes Saatgut: Die US-Landwirtschaft ist seit Jahren in einer Dauerkrise. Da ist der Handelskrieg, vor allem mit China, den Donald Trump vom Zaun gebrochen hat, für viele nur der letzte, entscheidende Schlag. „Für viele Farmer geht es jetzt ums Überleben“, schildert Ron Heck, Vertreter der Soja-Bauern, im TV-Nachrichtensender CNN die jüngste Krise. China hat als Reaktion auf die von Trump verhängten Strafzölle seinerseits Soja und andere Agrargüter mit zusätzlichen Einfuhrsteuern von 25 Prozent belegt. Der Import von Soja aus den USA – es wird zur Schweinezucht eingesetzt – brach umgehend ein, während zugleich der aus Brasilien rasant anstieg. Der Schaden für die US-Farmer vervielfacht sich, weil an der US-Agrarbörse sofort die Spekulation gegen ihre Produkte beginnt und die Preise so noch tiefer in den Keller treibt.

China ist für die Agrarstaaten im Herzen der USA inzwischen der wichtigste Exportmarkt. Es ist nicht nur der weltweit wichtigste Käufer von US-Soja, auch ein Viertel des in den USA produzierten Schweinefleisches geht dorthin. Ähnliches gilt für Milchprodukte. Auch hier hat China die Importe in Folge des Handelsstreits bereits reduziert. In den sogenannten „dairy states“ („Molkerei-Staaten“) wie Wisconsin geht die Angst um. Ein Drittel der Molkereien, so wird kalkuliert, könnte bald zusperren müssen.

Die finanzielle Lage für US-Farmer ist ohnehin angespannt. Schließlich sind die meisten Betriebe überschuldet, was in den vergangenen Niedrigzins-Jahren verkraftbar war. Jetzt, wo in den USA die Zinsen wieder ansteigen, treiben die Rückzahlungen viele in den Ruin.

„Profi-Gambler“

Die von Trump jetzt versprochenen Hilfsgelder sind nur ein kurzfristig wirksames Trostpflaster. Um langfristig aus der Krise zu kommen, müssen die USA ihre Agrarexporte weiter steigern. Denn der Einsatz von genmanipuliertem Saatgut, vor allem bei den beiden wichtigsten Anbau-Pflanzen Soja und Mais, hat die Produktion massiv gesteigert – und die Preise entsprechend reduziert. Die immer kleinere Gewinnspanne bringt die verschuldeten Bauern in eine finanziell labile Lage. „Profi Gambler“ nennen sich viele selbst ironisch, um ihre totale Abhängigkeit von Zinsraten und den Börsenkursen in Chicago zu beschreiben.

Arbeitskräfte fehlen

Doch Trumps Politik bringt nicht nur die Soja-Bauern in Schwierigkeiten. In Kalifornien, dem wichtigsten Anbaugebiet für Obst, gehen durch die verschärften US-Grenzkontrollen und die beschleunigten Abschiebungen die Arbeitskräfte aus. Traditionell wird auf Kaliforniens Obstplantagen das Pflücken von mexikanischen Erntehelfern erledigt. Doch die bleiben immer öfter aus.

Für den Präsidenten wird das zunehmend zum politischen Problem. Acht von zehn US-Bundesstaaten mit der größten Agrarindustrie haben sich bei den Wahlen 2016 für ihn entschieden. Den Handelskrieg mit China halten viele Bauern für eine vorübergehende Episode – vorerst noch.