USA: Die Pille wird zum Wahlkampfthema
Sandra Fluke ist nichts anderes als eine Schlampe", schimpfte der konservative Radiomoderator Rush Limbaugh vor einigen Monaten. Limbaugh ist für seine harten Aussagen bekannt, Fluke ist eine 31-jährige Jus-Absolventin, die sich für die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama einsetzt. Im Februar war sie vor dem Kongress aufgetreten, um über ihre Erfahrungen mit der Krankenversicherung zu sprechen. Sie sagte, Verhütungsmittel könnten während des Studiums mehrere Tausend Dollar kosten, was 40 Prozent der Studentinnen an ihrer Uni in Georgetown in Geldprobleme treibe. Rush Limbaugh wetterte daraufhin in seiner Radioshow mehrere Tage gegen die Studentin, die "sich offenbar vom Staat für Sex bezahlen lassen" wolle.
Vorstoß
Fluke – die mittlerweile zur Galionsfigur der Verhütungsbefürworter geworden ist – war es, die Barack Obama am Mittwoch in Denver, Colorado, am Rednerpult ankündigte. Das war kein Zufall. Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten hat bei dem Auftritt vor mehrheitlich weiblichem Publikum vehement für die Gesundheitsreform geworben. In deren Rahmen sollen auch die Kosten von Vorsorgeuntersuchungen für Frauen und zum Teil auch die Kosten von Verhütungsmitteln gedeckt werden. Der im Wahlkampf vorgestellte Plan sieht etwa vor, dass Firmen ihren weiblichen Angestellten Verhütungsmittel zahlen. Mitt Romneys Republikaner bezeichneten das als einen "Krieg gegen die Religion". Romney würde mit seiner Politik die Uhren zurück bis in die 1950er-Jahre drehen, konterte der Präsident am Mittwoch vor der jubelnden Menge. Mit dem Auftritt streckte Obama seine Hand in Richtung Frauen aus, die 53 Prozent der Wahlberechtigten ausmachen. Bei der letzten Wahl hatten 56 Prozent der Amerikanerinnen für ihn gestimmt. Laut Studie der New York Timesstehen vor allem Singlefrauen hinter Obama. Bei ihnen liege er um 29 Prozentpunkte vor Romney, der bei verheirateten Frauen ankommt.
Konter
Obama hat drei Monate vor der Wahl seinen Vorsprung auf Romney ausgebaut. Laut einer Reuters-Umfrage liegt er mit 49 Prozent vor Romney mit 42. Der antwortete auf den erwarteten Vorstoß Obamas in Sachen Frauengesundheit mit seiner "Woman for Mitt"-Initiative, die von Ehefrau Ann geführt wird. Deren Hauptaussage: Frauen haben schrecklich darunter gelitten, dass sich die Wirtschaft so langsam erholt. Der Republikaner versucht damit, den Fokus wieder auf die Wirtschaft zu legen – sein Thema Nummer eins, bei dem er sich am meisten Chancen ausrechnet.
Inzwischen versucht Obama nicht nur bei den Frauen zu punkten. Auch in Richtung Latinos streckt er immer wieder die Hand aus. Im Juni erließ das Weiße Haus eine zeitlich begrenzte Verordnung, nach der 800.000 illegale Immigranten in den USA bleiben dürfen und auch ein Recht auf Arbeit haben. Bei jungen Wählern hat Obama stark verloren, dafür hat er bei der Mittelklasse wesentlich bessere Karten als Romney.
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