Politik | Ausland
16.01.2019

US-Militärangehöriger bei Anschlag in Syrien getötet

"Islamischer Staat" bekannte sich zu Angriff in Manbij. Russland fordert Kontrolle der syrischen Regierung im Norden.

Bei einem Selbstmordanschlag auf Soldaten der US-geführten Militär-Koalition sind einem Bericht von Aktivisten zufolge am Mittwoch in Syrien mindestens 15 Personen getötet worden. Darunter ist ein US-Militärangehöriger. Der Anschlag ereignete sich in der nordsyrischen Stadt Manbij. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) soll sich dazu bekannt haben. Die US-Koalition kommentierte die Informationen bisher nicht.

Der Angriff habe sich gegen eine Patrouille gerichtet, berichtete die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH). Mindestens neun Zivilisten und fünf Kämpfer einer arabisch-kurdischen Allianz, die die Patrouille begleitet hatten, seien dabei ums Leben gekommen, sagte OSDH-Leiter Rami Abdel Rahman. Die IS-Miliz nahm den Anschlag über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq für sich in Anspruch und sprach von einem Angriff eines Selbstmordattentäters.

Zuletzt weitgehend ruhig

Die Stadt Manbij war im Jahr 2016 von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition von den Dschihadisten erobert worden. Seitdem wird sie von der syrischen Kurdenmiliz und verbündeten arabischen Milizen kontrolliert. Auch US-Soldaten sowie französische Spezialkräfte sind in der Stadt westlich des Euphrats stationiert, die zuletzt weitgehend ruhig war.

Die Stadt ist aber ein zentraler Streitpunkt zwischen der Türkei und den USA. Die Regierung in Ankara dringt seit langem auf den Abzug der Kurden. Sie nennt die YPG Terroristen. Nach Drohungen mit einer Offensive vereinbarte die Türkei im vergangenen Juli mit den USA, dass die YPG-Kämpfer aus der Stadt abziehen und türkische und US-Soldaten dort patrouillieren.

Allerdings beklagte Ankara, dass die YPG weiter in der Stadt präsent sei, und im Dezember drohte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erneut mit einer Offensive auf Manbij. Nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, alle US-Truppen aus Syrien abzuziehen, schien der Weg frei für einen türkischen Angriff. Die YPG rief daher Ende Dezember die Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad zu Hilfe.

Russland für Kontrolle der syrischen Regierung

Unterdessen hat der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch vor Journalisten in Moskau gesagt, nach dem Vorschlag der USA zur Einrichtung einer "Sicherheitszone" im Norden Syriens sei er dafür, "diese Gebiete der Kontrolle der syrischen Regierung, der syrischen Sicherheitskräfte und Verwaltungsstrukturen" zu übergeben.