Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Frau Olena

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Politik | Ausland
07/21/2019

Ukraine wählt: Medienrummel um Selenskyj

Der Staatschef verlor im Wahllokal seine Frau. Außerdem sprach er über seine Vorstellungen zum neuen Premier.

Obwohl das Präsidentenbüro den Termin offiziell nicht angekündigt hatte, kam es bei der Stimmabgabe von Staatschef Wolodymyr Selenskyj bei den Parlamentswahlen am Sonntag zu einem riesigen Medienantrag. Selenskyj verlor im Trubel kurzfristig sogar seine Gattin.

Nachdem Selenskyj im April wegen Demonstrierens seines Wahlzettels bei den Präsidentschaftswahlen zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, vermied er dies am Sonntag. "Sie wissen doch, warum ich ihn dieses Mal nicht zeige", scherzte er zunächst vor Journalisten. Konkrete Angaben zum gewünschten Resultat seiner Partei "Diener des Volkes" wollte er nicht machen. Er hoffe auf ehrliche und gerechte Wahlen, sagte er. Die Menschen würden zeigen wie sie über die Partei dachten.

Vorstellungen über Premier

Konkret wurde Selenskyj indes in Bezug auf den künftigen Premierminister: "Er muss ein professioneller Ökonom sein. Ich möchte, dass das ein unabhängiger Mensch ist, jemand, der nie Premierminister, Parlamentspräsident oder Fraktionsführer im Parlament war", erklärte der Präsident. Er führe auch schon diesbezügliche Konsultationen, bestätigte er. Im Fall einer Koalition würde er darauf bestehen, dass es sich bei seinen Partnern um "neue Gesichter" handle.

Neben "Diener des Volkes" kandieren mit der "Stimme" des pro-westlichen Popstars Swjatoslaw Wakartschuk sowie "Kraft und Ehre" des Ex-Geheimdienstlers Ihor Smeschko nur zwei Parteien, deren Listen Neopolitiker beinhalten und die bei den Wahlen am Sonntag die Fünf-Prozent-Hürde überspringen könnten. "Stimme" hatte bereits im Vorfeld Interesse an einer Koalition mit der Selenskyj-Partei gezeigt.

Waffenruhe hält

Der ukrainische Präsident bestätigte im Wahllokal aber auch, dass die am Mittwoch in Minsk vereinbarte und seit Mitternacht geltende Waffenruhe im Osten der Ukraine hält. "Es gab keinen Schusswechsel", erklärte er. Allerdings seien durch eine Minenexplosion zwei Menschen getötet und weitere zwei verletzt worden, bedauerte er. Diesbezüglich liefen nun Ermittlungen.