Selenskij-Vorwürfe gegen USA und Russland: Ukraine-Verhandlungen beendet

Die Verhandlungen in Genf gestalten sich schwierig, die Gespräche seien "sehr angespannt." Selenskij ist offen für ein Referendum zur Frontlinie.
Selenskij-Vorwürfe gegen USA und Russland: Ukraine-Verhandlungen beendet

Die von den USA vermittelten Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Genf sind beendet. Das meldet die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA. Die Agentur Tass zitiert den russischen Chefunterhändler Wladimir Medinski mit der Aussage, es sollten bald weitere Gespräche stattfinden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij warf Russland vor, die laufenden Friedensverhandlungen zu verzögern.

Die gestrigen Treffen in Genf seien schwierig gewesen, schrieb Selenskij auf der Plattform X. "Russland versucht, die Gespräche in die Länge zu ziehen, die bereits in der Endphase sein könnten." Selenskij warf zuvor auch den USA vor, unverhältnismäßigen Druck auf Kiew auszuüben, um den seit vier Jahren andauernden Krieg zu beenden.

Diskutiert werde in getrennten Gruppen zu politischen und militärischen Fragen, schrieb der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow zu Beginn der Gespräche auf Telegram. Die russische Delegation wird von Ex-Kulturminister Medinski geleitet, der jetzt Berater von Kremlchef Wladimir Putin ist. Die USA mit dem Sondergesandten Steve Witkoff sehen sich als Vermittler.

Witkoff: "Bedeutende Fortschritte"

US-Präsident Donald Trump hatte die Ukraine in den vergangenen Tagen mehrfach öffentlich aufgefordert, Schritte für einen Erfolg der Verhandlungen zu unternehmen. Witkoff berichtete in den frühen Morgenstunden auf der Plattform X von "bedeutenden Fortschritten". Beide Seiten hätten vereinbart, ihre Regierungen zu informieren und weiter an einer Einigung zu arbeiten.

Umjerow erklärte, der erste Tag habe sich auf "praktische Fragen und die Mechanik möglicher Entscheidungen" konzentriert. Aus russischen Kreisen verlautete dagegen, die sechsstündigen Gespräche in verschiedenen Formaten seien am Dienstag "sehr angespannt" gewesen. Eine offizielle Stellungnahme der russischen Delegation lag zunächst nicht vor.

Selenskij offen für Referendum zu Frontlinie

Selenskij kann sich vorstellen, dass seine Landsleute einem Einfrieren des Konflikts an der aktuellen Frontlinie zustimmen könnten. Das sagte Selenskij dem US-Nachrichtenportal "Axios". Ein solcher Volksentscheid könnte parallel zu Präsidentschaftswahlen abgehalten werden.

Selenskij hält Gebietsaufgabe für unmöglich

Einen von Russland geforderten Abzug der ukrainischen Truppen aus den noch von ihnen gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk lehnte Selenskij weiter ab. "Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen. Niemals", sagte der Staatschef "Axios". Seine Landsleute würden nicht verstehen, warum sie zusätzliche Gebiete abgeben sollen. Selenskij zufolge hat seine Regierung mit den Amerikanern vereinbart, dass jedes Abkommen eine Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum erfordert.

Der ukrainische Staatschef will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei einem direkten Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin lösen. Er habe der ukrainischen Delegation Anweisung gegeben, diese Frage in Genf anzusprechen. Der Kreml lehnt einen solchen Gipfel zwar nicht direkt ab, sprach aber mehrfach davon, dass ein derartiges Treffen entsprechend vorbereitet werden müsse - und lässt kein Interesse an konkreten Vorbereitungen erkennen.

Trump hatte am Montag vor Journalisten gemahnt, die Ukraine solle "besser schnell an den Tisch kommen". Selenskij merkte im Axios-Interview an, dass seine Gespräche mit den US-Vermittlern Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner nicht von derselben Art von Druck geprägt seien wie die öffentlichen Einlassungen des Präsidenten.

Das einzige direkte Aufeinandertreffen Selenskijs mit Putin fand bei deutsch-französisch vermittelten Verhandlungen 2019 in Paris statt. Die Beziehungen waren damals schon belastet durch die russische Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Jahr 2014 und die als Separatismus getarnte Moskauer Militärintervention in der Ostukraine.

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