Ukrainischer Botschafter: "Der Aggressor darf nicht belohnt werden“

Laut dem ukrainischen Botschafter Wassyl Chymynez darf es bei den neuen Gesprächen mit Russland keinen Frieden auf Kosten der Ukraine geben. Außerdem schildert er die dramatische Lage im vierten Kriegswinter.

Im "ZiB 2“-Studio des ORF nahm am Freitagabend der ukrainische Botschafter in Wien, Wassyl Chymynez, Platz. 

Thema waren die erstmals stattfindenden trilateralen Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi sowie die anhaltenden russischen Angriffe auf die Ukraine.

Chymynez sprach von einer großen Hoffnung, dass das neue Verhandlungsformat Bewegung bringen könnte. 

"Unser Wunsch ist sehr klar“, sagte der Botschafter. 

Ziel der Ukraine sei es, über die Parameter eines nachhaltigen und gerechten Friedens zu sprechen. Offen sei jedoch, ob Russland diesen Weg mitgehen wolle.

Zentrale Streitfrage bleibe das Gebiet Donezk. Russland fordere die vollständige Kontrolle über die Region, die Ukraine lehne das ab. Dennoch wolle Kiew die diplomatische Chance nutzen und auch direkt mit Russland sprechen. Grundlage dafür sei ein 20-Punkte-Plan, der gemeinsam mit europäischen und amerikanischen Partnern erarbeitet worden sei. 

"Dieser Plan ist auf dem Tisch“, sagte Chymynez.

Keine Einigung zulasten der Ukraine

Eine Einigung dürfe jedoch nicht zulasten der Ukraine ausfallen. 

"Der Aggressor darf nicht belohnt werden“, betonte der Botschafter. 

Er verwies auf frühere Konflikte wie Georgien oder die Annexion der Krim. Zugeständnisse hätten Russland nicht gestoppt. 

"Wenn der Aggressor belohnt wird, wird sein Appetit nur größer“, so Chymynez.

Putins Ziel ist Auslöschung der Ukraine

Nach vier Jahren Krieg in der Hoffnung auf Frieden Gebiete aufzugeben, führe aus seiner Sicht nicht näher zum Ziel. Ein solcher Schritt würde Russland ermutigen, den Krieg fortzusetzen. Entscheidend sei vielmehr, Russland erkennen zu lassen, dass sich der Krieg nicht lohne und seine Fortsetzung immer größere politische und wirtschaftliche Kosten verursache.

Chymynez zeigte sich überzeugt, dass Russland solange kämpfen werde, wie es dazu in der Lage sei. Moskau hoffe darauf, dass die Ukraine militärisch oder innenpolitisch zusammenbreche. Ohne den Widerstand der vergangenen Jahre gäbe es die Ukraine heute nicht mehr. Das Ziel von Präsident Wladimir Putin sei die Auslöschung des Landes.

Eindringlich schilderte der Botschafter weiters die Lage im vierten Kriegswinter. Russland greife gezielt die Energieversorgung an, viele Menschen seien bei Minusgraden ohne Strom. Chymynez sprach von einem "Winterterror“, mit dem die Bevölkerung psychologisch gebrochen werden solle.

Die von der EU gelieferten Notstromaggregate seien eine wichtige Hilfe, könnten die Situation aber nur teilweise abfedern. In vielen Städten funktioniere das öffentliche Leben derzeit nur mithilfe von Generatoren. In improvisierten Wärmestellen könnten Menschen für einige Stunden Schutz vor der Kälte finden.

Zum Abschluss dankte Chymynez den Hilfsorganisationen und den Menschen in Österreich für ihre Unterstützung. Diese Hilfe sei für die Ukraine in der aktuellen Lage von großer Bedeutung.

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