Nach russischen Angriffen: AKW Tschernobyl ohne externe Stromversorgung
Zusammenfassung
- Russland griff erneut die ukrainische Energieversorgung mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern an, wobei in der Region Kiew ein Mann getötet wurde.
- In Kiew fiel in Tausenden mehrstöckigen Wohnhäusern die Heizung aus, es kam zu Strom- und Wasserausfällen sowie Schäden an Tankstellen und Privatfahrzeugen.
- Auch in Odessa und Winnyzja wurden Energieanlagen und Wohngebäude durch russische Angriffe beschädigt, Notunterkünfte wurden für die Bevölkerung eingerichtet.
In der Ukraine hat das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl der Internationalen Atomenergiebehörde zufolge nach weitreichenden Militäraktivitäten seine gesamte externe Stromversorgung verloren.
Mehrere für die nukleare Sicherheit wichtige Umspannwerke seien von den Militäraktivitäten betroffen, teilt die IAEA auf der Online-Plattform X mit. Zudem seien auch Stromleitungen zu einigen anderen Atomkraftwerken in Mitleidenschaft gezogen worden. In Tschernobyl ereignete sich 1986 der weltweit schwerste Atomunfall. Der letzte aktive Reaktor des AKW wurde im Jahr 2000 stillgelegt.
Tausende Wohnhäuser in Kiew ohne Heizung
Russland hat erneut mit massiven Luftangriffen die Energieversorgung in der Ukraine attackiert. Dabei wurde in der Region um die Hauptstadt Kiew ein Mann getötet, wie Regionalgouverneur Mykola Kalaschnyk mitteilte. Zudem seien dort zwei Tankstellen beschädigt worden. In der Hauptstadt selbst fiel nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko in Tausenden Gebäuden die Heizung aus. Davon seien fast 5.635 mehrstöckige Wohnhäuser betroffen.
Bei dem Großteil der Gebäude sei die Wärmeversorgung nach einem früheren Angriff vom 9. Jänner gerade erst wiederhergestellt worden. Zudem sei es zu Störungen bei der Strom- und Wasserversorgung gekommen. Russland setzte der ukrainischen Luftwaffe zufolge sowohl Raketen als auch Drohnen und Marschflugkörper bei der Attacke ein.
Private Pkw getroffen
Vorläufigen Informationen nach gab es auch eine Verletzte bei dem Angriff. Nach Polizeiangaben handelt es sich um eine 59-jährige Frau. Neben Schäden bei Energieanlagen und Wohnhäusern traf es auch private Pkw. Mehrere Autos gingen durch herabfallende Drohnentrümmer in Flammen auf. Am linken Ufer des Dnipro sei zudem die Wasserversorgung ausgefallen, teilte Klitschko mit.
Für Kiew ist dies der schlimmste Winter seit Kriegsbeginn. Russland beschießt in seinem Krieg gegen die Ukraine systematisch das Energiesystem des Nachbarlands. Inzwischen ist das Netz so geschwächt, dass es täglich zu stundenlangen Stromausfällen kommt. Mehrere schwere Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt zu Beginn des Jahres und anhaltende starke Fröste verschärfen die Situation für viele Menschen. Die Behörden haben Notunterkünfte eingerichtet, in denen sich die Bürger aufwärmen, Wasser holen oder ihr Handy aufladen können.
Auch Odessa und Winnyzja von Moskau ins Visier genommen
Auch in der südlichen Schwarzmeer-Region Odessa wurde den Behörden zufolge eine Energieanlage beschädigt. In der Hafenstadt Tschornomorsk habe zudem eine Drohne ein mehrstöckiges Wohngebäude getroffen. Zu Opfern gab es zunächst keine Angaben. In der westlichen Region Winnyzja wurde demnach ebenfalls eine Anlage der kritischen Infrastruktur attackiert.
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