Russland droht mit neuer Attacke gegen Kiew
Nach dem massiven russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew am Wochenende hat Moskau mit einer neuen schweren Attacke gedroht. Das russische Außenministerium rief ausländische Diplomaten dazu auf, Kiew schnellstmöglich zu verlassen. Das russische Militär werde als Antwort auf den ukrainischen Beschuss eines Wohnheims in der von Russland kontrollierten Stadt Starobilsk nun systematisch Rüstungsobjekte und "Entscheidungszentren" in Kiew angreifen, hieß es.
Bei dem Angriff auf Starobilsk wurden nach Angaben der Besatzungsbehörden, mehr als 20 Zivilisten getötet. Der Generalstab in Kiew wiederum erklärte, die Attacke habe einer dort stationierten Militäreinheit gegolten.
Russland informiert USA über Angriffe auf Kiew
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat nach Angaben seines Ministeriums US-Außenminister Marco Rubio über Angriffe auf die ukrainischen Hauptstadt Kiew informiert. Dies teilte das Außenministerium in Moskau mit. Die russischen Streitkräfte begännen nun mit systematischen Angriffen auf Einrichtungen, die vom ukrainischen Militär genutzt würden, sowie auf Entscheidungszentren. Es handle sich um Vergeltung für ukrainische Angriffe. Dies habe Lawrow Rubio in einem Telefonat mitgeteilt.
Auch im Osten der Ukraine sind bei russischen Angriffen mindestens vier Menschen getötet worden, hieß es am Montag. Bei Raketenbeschuss auf die Stadt Derhatschi im Gebiet Charkiw kamen Militärgouverneur Oleh Synjehubow zufolge ein 25-Jähriger und ein 68-Jähriger ums Leben. Ein 64 Jahre alter Mann und eine 38-jährige Frau kamen außerdem durch russischen Beschuss der Stadt Kramatorsk und der Siedlung Jasnohirka ums Leben, wie die regionale Staatsanwaltschaft des Gebiets Donezk mitteilte.
Massiver Beschuss am Sonntag
Am Sonntag hatte Russland die ukrainische Hauptstadt und die umliegenden Gebiete mit Hunderten von Drohnen und Raketen angegriffen. Es handelte sich um einen der schwersten Angriffe auf Kiew seit Beginn des russischen Überfalls auf das Nachbarland vor mehr als vier Jahren. Dabei kamen zwei Menschen in Kiew und zwei weitere in der Umgebung ums Leben, fast 100 wurden verletzt, wie ukrainische Behörden mitteilten. Dutzende Wohnhäuser und mehrere Schulen wurden beschädigt. Auch das nationale Kunstmuseum und die Philharmonie in Kiew, beide im Herzen der Stadt gelegen, seien schwer beschädigt worden.
Unterdessen laufen in der Ukraine die Aufräumarbeiten. Immer mehr Bilder von zerstörten Gebäuden in Kiew, dem Hauptziel der Attacke, werden veröffentlicht und verdeutlichen das Ausmaß.
Russland will ukrainische Hauptstadt Kiew weiter angreifen
Die russische Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa kündigte am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS an, dass man Kiew weiterhin angreifen werde. Dies sei eine Reaktion auf einen angeblich vorsätzlichen Drohnenangriff der Ukraine auf ein Studentenwohnheim in der Stadt Starobilsk in der von Russland kontrollierten Region Luhansk in der Ostukraine. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Berichte nicht unabhängig überprüfen. Russland und die Ukraine bestreiten jeweils, Zivilisten der anderen Seite gezielt anzugreifen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte als Antwort auf die russischen Angriffe Konsequenzen gefordert. "Es ist wichtig, dass dies nicht ohne Folgen für Russland bleibt", schrieb er am Sonntag in dem Messenger-Dienst Telegram. "Es sind Entscheidungen nötig - von den Vereinigten Staaten, von Europa und anderen." Zahlreiche europäische Staats- und Regierungschefs, darunter Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz, verurteilten den Angriff auf Kiew. Großbritannien und Deutschland bezeichneten den Einsatz der Mittelstreckenrakete Oreschnik dabei als Eskalation. Weil diese Überschallrakete auch atomwaffenfähig ist, warf die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas der Führung in Moskau eine "politische Angstmache und ein rücksichtsloses nukleares Spiel" vor.
Dritter Einsatz von Oreschnik-Rakete im Ukraine-Krieg
Es war das dritte Mal, dass Russland seit Beginn des Krieges eine Oreschnik-Rakete mit einer Reichweite von mehreren tausend Kilometern gegen die Ukraine eingesetzt hat. Die Ukraine hat ihrerseits verstärkt damit begonnen, mit neu entwickelten Raketen militärische Ziele und Raffinerien im Inneren Russlands anzugreifen.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB gab unterdessen laut Nachrichtenagentur Interfax bekannt, dass auf einem Tanker im russischen Ostseehafen Ust-Luga mehrere Magnetminen entdeckt worden seien. Die Minen seien am Rumpf des Tankers "Arrhenius" gefunden worden, der aus dem belgischen Hafen Antwerpen kam, um Flüssiggas zu laden. Laut den Schiffsverfolgungsdaten von LSEG fährt der Tanker unter liberianischer Flagge und wird von der Maple Mariner Holding in den Vereinigten Arabischen Emiraten betrieben. Die entschärften Minen seien in NATO-Ländern hergestellt worden, zitierte die Nachrichtenagentur eine Sprecherin des russischen Ermittlungskomitees. Die Ukraine hat zunehmend die Energieexporte Russlands ins Visier ihrer Angriffe genommen.
Verhandlungen liegen auf Eis
Der von Putin befohlene Angriffskrieg steckt fest, die versprochenen Erfolge bleiben aus; es regt sich erste Kritik am Kremlchef. Gleichzeitig gibt es auch bei Verhandlungen keine Bewegung. Zuletzt vermittelte Washington, doch die Gespräche liegen auf Eis. Russland beharrt auf seinen Maximalzielen. Dazu gehört auch, dass Kiew seine Armee aus den bisher nicht von Russland eroberten Gebieten im Donbass abzieht. Kiew lehnt das ab.
Nach Meinung vieler Beobachter setzen beide Seiten auf Kampf und Sieg. Ein schnelles Ende des Kriegs ist nicht zu erwarten.
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