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Lagebericht
07/11/2022

Ukraine ruft Zivilisten zur Flucht auf

Russland plant Offensiven im Süden der Ukraine. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, zu fliehen.

Tag 138 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine: 

Die ukrainische Führung hat Zivilisten im besetzten Süden des Landes wegen geplanter Armeeoffensiven zur Flucht aufgerufen. Einwohner der Gebiete Cherson und Saporischschja sollten dringend ihre Häuser verlassen - notfalls auch in Richtung der bereits seit 2014 von Russland annektieren Halbinsel Krim, sagte Vize-Regierungschefin Irina Wereschtschuk am Sonntagabend. Das sei notwendig, damit die Menschen im Zuge bevorstehender Rückeroberungsversuche nicht gefährdet würden.

Verteidigungsminister Olexij Resnikow sagte in einem Interview der britischen Zeitung "The Sunday Times", Präsident Wolodymyr Selenskij habe dem Militär befohlen, mithilfe westlicher Waffen besetztes Gebiet im Süden zurückzugewinnen. Insbesondere die Küstengebiete seien für die ukrainische Wirtschaft von großer Bedeutung.

Selenskij hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach betont, dass sein Land sich von Russland kontrollierte Regionen zurückholen wolle.

Hunderte ukrainische Soldaten getötet

Unterdessen haben russische Truppen bei einem Angriff auf die ostukrainische Stadt Slowjansk nach eigenen Angaben bis zu Hundert gegnerische Soldaten getötet.

Das russische Verteidigungsministerium behauptet, seit Kriegsbeginn 242 ukrainische Flugzeuge und 137 Hubschrauber abgeschossen zu haben. Medienberichten zufolge hatte die Ukraine vor dem Krieg allerdings nur rund 100 Flugzeuge und 90 Hubschrauber in ihrem Bestand.

Außerdem zerstörte Russland nach eigenen Angaben ein Lager mit aus den USA stammenden Waffen in der Ukraine. Die russischen Streitkräfte hätten nahe der Ortschaft Konstantinowka im Donbass zwei Hallen getroffen, in denen Haubitzen des Typs M777 abgestellt worden seien, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

15 Tote aus eingestürztem Wohnblock geborgen

Bei weiteren russischen Raketenangriffen wurden nach ukrainischen Angaben in dem Ort Tschassiw Jar im Gebiet Donezk womöglich mehr als 30 Menschen in einem eingestürzten Wohnblock verschüttet. Das fünfgeschossige Haus sei am Vorabend mit russischen Raketen beschossen worden.

Es seien bereits 15 Tote und 24 Verletzte aus den Trümmern gezogen worden, berichtete der örtliche Rettungsdienst im Online-Netzwerk Facebook. "Es sind mindestens drei Dutzend Menschen in der Ruine", sagte Kyrylenko.

Präsident Wolodymyr Selenskij drohte russischen Soldaten daraufhin mit Konsequenzen. "Die Bestrafung ist für jeden russischen Mörder unvermeidlich“, sagte Selenskij nach dem Raketenbeschuss. Der Angriff auf das Wohngebiet habe einmal mehr gezeigt, dass Russlands Truppen vorsätzlich auch in Wohngebieten töteten. „Nach solchen Angriffen werden sie nicht sagen können, dass sie etwas nicht gewusst oder nicht verstanden haben“, sagte der ukrainische Staatschef in seiner Videoansprache in der Nacht zum Montag.

Alle Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar. Allerdings hatte das russische Verteidigungsministerium am Samstag selbst über den Beschuss von Tschassiw Jar berichtet. Russland behauptet immer wieder, keine zivilen Objekte zu beschießen.

Die russischen Truppen konzentrieren sich bei ihrem am 24. Februar von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Einmarsch nach der Einnahme des Gebiets Luhansk nun zunehmend auf die Region Donezk. Die prorussischen Separatisten wollen mit Hilfe Moskaus den gesamten Donbass der Kontrolle Kiews entreißen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij fordert vom Westen dringend die Lieferung schwerer Waffen, um den Verlust weiterer Landesteile zu verhindern und verlorene Gebiete zurückzuholen.

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