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Politik Ausland
10/09/2019

Türkische Syrien-Offensive "in Kürze" erwartet - Kurden in Stellung

Die türkische Regierung rief die Kurden in Syrien zum Überlaufen auf. Die dortige Autonomieverwaltung ruft zum Widerstand auf.

Die türkische Militäroffensive gegen Kurden in Nordsyrien steht nach Angaben eines Regierungsvertreters unmittelbar bevor. Der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun schrieb am Dienstag in der Washington Post, Armeeeinheiten seines Landes würden die Grenze zu Syrien "in Kürze" überschreiten. Kurdische Kämpfer hätten jetzt noch die Möglichkeit zum "Überlaufen".

Die Türkei plant eine Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien. Diese waren für die USA im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) einer der wichtigsten Verbündeten. Ankara stuft die YPG-Miliz wegen ihrer Nähe zur kurdischen Arbeiterpartei (PKK) hingegen als "Terrororganisation" ein. Seit 2016 ist die Türkei bereits zwei Mal gegen die YPG-Miliz in Nordsyrien vorgegangen.

Kurden machen mobil

Die Kurden bringen derweil ihre Truppen in Stellung. Die kurdische Autonomieverwaltung in der Region verkündete am Mittwoch eine dreitägige Generalmobilmachung. Angesichts der zunehmenden Drohungen der Türkei und ihrer syrischen „Söldner“ würden alle aufgerufen, sich an die Grenze zu begeben, um in diesen „kritischen historischen Momenten“ Widerstand zu leisten, hieß es in einer Erklärung. Kurden weltweit wurden aufgefordert, gegen die Offensive zu demonstrieren.

Grenzübertritt gemeldet

Bloomberg meldete bereits, dass ein türkisches Vorauskommando die Grenze an zwei Punkten überschritten habe, um die größerer Offensive vorzubereiten. Man bezog sich dabei auf einen anonymen Offiziellen. Bisher gibt es dafür keine offizielle Bestätigung.

Am Dienstag hatte die Türkei ihre Militärpräsenz in der Grenzregion weiter verstärkt. Ein AFP-Reporter berichtete von einem Konvoi mit Dutzenden gepanzerten Fahrzeugen nahe der Stadt Akçakale in der Provinz Sanliurfa.

USA räumte das Feld

Die USA hatten zu Wochenbeginn Soldaten aus Stellungen in Nordsyrien abgezogen und damit das Feld für eine türkische Militäroffensive geräumt. Das brachte US-Präsident Donald Trump auch aus den eigenen Reihen den Vorwurf ein, die Kurden im Stich zu lassen.

Der republikanische Senator Lindsey Graham rief die Türkei am Dienstag auf, die Militäroffensive abzublasen, und warnte vor einer "roten Linie". Es gebe kein "grünes Licht" für einen Einmarsch in Nordsyrien, schrieb Graham auf Twitter.