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Politik Ausland
12/16/2018

Trumps letztes Aufgebot

Rückt nach dem Abgang von Trumps Stabschef Kelly, der Schwiegersohn nach? Viel mehr Getreue hat Trump nicht mehr.

von Dirk Hautkapp

Seit dem angekündigten Abgang von Stabschef John Kelly führt Donald Trump im Weißen Haus das auf, was er am besten kann und liebsten macht: Reality-TV und Casting-Show. Zu beidem hat sich die Suche nach einem Nachfolger für den ehemaligen Vier-Sterne-General entwickelt, der in der Regierungszentrale an einer unlösbaren Aufgabe gescheitert ist: den Betrieb möglichst effizient zu organisieren und den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika von allzu großen Dummheiten abzuhalten.

Korb für Trump

Trump hatte für den prestigeträchtigen Job den 36-jährigen Nick Ayers ausgeguckt, der bisher für Vizepräsident Mike Pence schaffte. Das Ayers Trump via Twitter einen Korb gab, wird in Washington als verheerende Geste interpretiert: „Niemand mit Verstand will offenbar mehr auf ein sinkendes Schiff“, sagen Analysten, die den Republikanern nahestehen. Also bleibt es in der Familie?

Als gestern die Namen Jared Kushner und Chris Christie fielen, war für etliche Beobachter die Sache vollends zur Posse geworden. Kushner, Trumps in der Russland-Affäre stark unter Druck geratener Schwiegersohn und Allzweck-Berater bei Themen wie Freihandel mit Mexiko bis Friedensplan für den Nahen Osten, würde "den Verdacht der Sippenwirtschaft im Weißen Haus noch verstärken und einen Sturm der Entrüstung entfachen", sind sich Medienbeobachter einig. Schon heute gilt der New Yorker Immobilien-Unternehmer als dubiose „graue Eminenz“, der gemeinsam mit Gattin Ivanka, Trumps ältester Tochter, eine Art Schatten-Präsidentenpaar spielt. "Jarvanka" war maßgeblich am Scheitern Kellys beteiligt.

 

Bei Christie werden Erinnerungen wach an den Wahlkampf 2016, als Trump den bulligen Ex-Gouverneur von New Jersey, damals einer der Rivalen, wie einen dummen Jungen abkanzelte. Christie könnte Trump mit seiner Erfahrung als Staatsanwalt allerdings in der Russland-Affäre „gute Dienste leisten“, sagen ehemalige Regierungsmitarbeiter. Sie schildern, dass Trump im Kabinett keine „substanzielle Gefolgschaft“ mehr besitzt. „Viele Wegbegleiter verdrehen inzwischen nur noch die Augen.“ Darum sind die wenigen treuen Gefolgsleute im engen Zirkel umso wichtiger.

 

Als da wäre: das weibliche Doppelgespann in der Öffentlichkeitsarbeit: Kellyanne Conway und Sarah Huckabee-Sanders. Conway, Mit-Erschafferin der Formulierung „alternative Fakten“, ist die nimmermüde Verteidigerin ihres Chefs. Wenn es gilt, mit einem eiskalten Lächeln vor den Fernsehkameras zu filibustern, warum die Kritik an Trumps völlig daneben liegt und der Präsident einzig und allein richtig, obwohl die Realität nachweisbar anders aussieht, ist Conway nicht zu übertreffen.

 

Ähnlich stabil ist die Verankerung von Sarah Huckabee-Sanders. Die erste Regierungssprecherin hat die für Normal-Menschen kaum leistbare Aufgabe übernommen, täglich die Wirrnisse und Eskapaden im Weißen Haus zu verklären. Sie tut dies penetrant humorfrei. Fehler einzugestehen, kommt bei der Tochter des früheren Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee nicht vor. Mit inszenierter schlechter Laune fährt Sanders dagegen mit Wonne Journalisten über den Mund, die kritisch nachsetzen. Trump liebt, wie stoisch Sanders das durchzieht. 

 

Stoisch ist auch Rudy Giuliani. Der ehemalige Bürgermeister New Yorks, 74, ein alter „Buddy“ Trumps, gibt seit Monaten auf allen Kanälen den Derwisch, wenn es um Sonder-Ermittler Robert Mueller geht. Er beschimpft den hoch angesehenen ehemaligen FBI-Chef als Handlanger der Demokraten, gibt immer wieder bizarre Einschätzungen zur Rechtslage, redet sich dabei aber oft um Kopf und Kragen. Trump mag es aber, wenn andere für ihn den Terrier spielen. 

Stephen Miller, Mitte 30, aber mit seiner Halbglatze wie 58 wirkend, gehört dazu. Der rechtspopulistische Scharfmacher schreibt Trump nicht nur die meisten Reden. Er steckt auch maßgeblich hinter der umfassenden Null-Toleranz-Strategie in Einwanderungsfragen; ein Eckpfeiler dieser Regierung.

 Donald Trump hat zudem viele Vertrauensleute außerhalb der Regierung. Wichtige Stichwortgeber wie 

 

Chris Ruddy, der Gründer des rechtsgewirkten Medienunternehmens Newsmax, oder Tom Barrack, ein Milliardär, der Trump die Amtseinführung organisiert hat, tauchen beständig auf Trumps Golfplätzen zum Tête-à-Tête auf, genießen Vertrauen und Einfluss. Dass Fox News-Propagandist Sean Hannity in seinen Sendungen und danach Trump Ermutigung zuspricht und Ratschläge erteilt, ist ebenfalls eine Konstante.

 

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