"Chaotisch und unberechenbar": Internationale Presse über Trumps Ukraine-Politik

Donald Trump gestikuliert während eines Treffens mit Wolodymyr Selenskyj.
Von einer Schande und einem unersättlichen russischen Präsidenten Putin warnt die internationale Presse von Prag bis Riga.

Zusammenfassung

  • Trumps Einstellung der Militärhilfen für die Ukraine zeige seine Priorität, Versprechen gegenüber amerikanischen Wählern einzuhalten, auch wenn ein solcher Frieden eine Schande wäre.
  • Pravda betont, dass Trumps Strategie gegenüber Russland oft als Drohgebärden missverstanden wird, aber auf langfristige Verhandlungen mit Putin abzielt.
  • Neatkariga Rita Avize kritisiert Trump für seine konsequente und berechenbare Politik, die die Ukraine zugunsten der Interessen der 'großen' Länder wie Russland vernachlässigt.

Zur US-Präsident Donald Trumps Politik gegenüber Russland und der Ukraine schreiben Zeitungen am Mittwoch:

Lidove noviny (Prag):

"Die überraschende Entscheidung Donald Trumps, die Militärhilfen für Kiew einzustellen, weil sich die Ukraine angeblich nicht mit Russland auf einen Frieden einigen wolle, zeigt, wie sich der US-Präsident erfolgreiche politische Verhandlungen vorstellt. An erster Stelle steht für ihn, dass er seine Versprechen gegenüber den amerikanischen Wählern einhält. (...) Trump will schnell Frieden - und um jeden Preis. Es ist ihm egal, dass dieser Frieden eine Schande wäre. (...)

Kurzer Frieden

Ein solcher Frieden wäre zudem nicht von langer Dauer. Trump deutet an, dass die Ukraine keinerlei Sicherheitsgarantien bekommen würde. Auch wenn es einen Waffenstillstand entlang der derzeitigen Frontlinie geben sollte, wird Russland nicht aufhören, weitere Teile des ukrainischen Territoriums für sich zu beanspruchen, die es noch nicht einmal erobert hat. Und dafür wird es bereit sein, Krieg zu führen."

Pravda (Bratislava):

"Trumps Vorschläge sind mit Abstand und kühlem Kopf zu betrachten. Auch wenn sie oft wild wirken, sind sie oft nur Drohgebärden mit nicht selten berechnendem Hintergrund. Seine Strategie gegenüber Russland ist nicht so abwegig, wie man sie in Europa gern darstellt. (Den russischen Präsidenten Wladimir) Putin muss man ja wirklich an den Verhandlungstisch bringen. Denn ohne ihn lässt sich nicht zu einem dauerhaften, sicheren und gerechten Frieden für die Ukraine kommen. Das ist leider eine Tatsache.

Kalkül hinter Trumps Interessen

Die Idee, dass die USA sich die ukrainischen Bodenschätze aneignen, mag verrückt klingen, hat aber durchaus Kalkül. Denn wenn amerikanische Firmen die Rohstoffgruben in der Hand hätten, würde das russische Militär sie wohl kaum angreifen. Und ganz ehrlich: War das wirklich so eine plötzlich geborene Idee? Die Schnelligkeit, in der die Verträge auf dem Tisch lagen, wirft wohl die Frage auf, ob diese Strategie nicht schon lange vorbereitet wurde und nur bisher in einer Schublade wartete. (...)

Enttäuscht sein müssen aber wohl auch die Träumer, die an die moralische Reinheit des Westens glaubten. Als die Information durchsickerte, dass die USA ihre Cyber-Angriffe gegen Russland eingestellt hätten, dementierte das Pentagon schnell. Das zeigt, dass nicht nur Moskau zersetzende Operationen gegen uns durchführt, sondern dass das auch umgekehrt geschieht."

Neatkariga Rita Avize (Riga):

"Die gelegentlich geäußerten Behauptungen, Trump agiere chaotisch und unberechenbar, weshalb es sich nicht lohne, seinen exzentrischen Manövern so viel Aufmerksamkeit zu schenken, sind nicht zutreffend. Er kann zwar an einem Tag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als Diktator bezeichnen und ein paar Tage später auf die Frage, ob er das gesagt habe, in gespieltem Erstaunen mit der Gegenfrage antworten: Habe ich das gesagt? Aber das ist eine Lappalie. Im Großen und Ganzen ist er absolut konsequent und berechenbar.

Trump hat es nie gewagt, etwas Unangenehmes über Putin oder Russland zu sagen, oder die Handlungen Russlands und anderer 'großer' Länder zu verurteilen. Nur relativ 'kleine' Länder - Panama, Kolumbien, Mexiko, Dänemark, Kanada - ziehen seinen Zorn auf sich. Sie sind Trump sichtlich ein Dorn im Auge. Denn in seiner Welt, in der alles von Macht bestimmt wird, haben diese Länder keinen Platz am großen Tisch, an dem über das Schicksal der Welt entschieden wird.

Das Gleiche gilt für die Ukraine. Anders als die vorherige US-Regierung und andere westliche Demokratien mit dem Standpunkt 'Keine Verhandlungen ohne die Ukraine' vertritt Trump die entgegengesetzte Position: Der Krieg müsse so schnell wie möglich enden und die Ukraine die Bedingungen akzeptieren, die die 'Großen' ihr anbieten. So wie ich mich mit Putin einige, so wird es sein."

Putin werde nicht genug haben

Latvijas Avize (Riga):

"Das Wichtigste, was man über diesen Mann wissen sollte, ist die Tatsache, dass er irgendwann einmal sagte, der Zusammenbruch der Sowjetunion sei 'die schlimmste geopolitische Tragödie des 20. Jahrhunderts' gewesen. Der Stalin-Rehabilitator und langjährige KGB-Mann will sie wiederherstellen. Deshalb Transnistrien. Deshalb Abchasien. Deshalb Südossetien. Deshalb die Krim. Deshalb Lugansk und Donezk. Glaubt denn irgendjemand tatsächlich, dass es ihm ausreicht, wenn es die gegenwärtige geopolitische Lage ihm erlaubt, das zu behalten, was er bereits erobert hat?"

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