Politik | Ausland
15.11.2018

Trump feuert Beraterin: Wie viel Macht hat Melania?

Die First Lady mischt sich zunehmend in Personalangelegenheiten des Weißen Hauses ein.

Als sie im Sommer beim Besuch illegaler Einwanderer-Kinder in einem Gefängnis an der Grenze zu Mexiko eine Jacke mit der Aufschrift „Das kümmert mich nicht wirklich. Und Sie?“ trug, hatten viele Melania Trump endgültig im Lager der Desinteressierten verortet.

Jener, die aufgegeben haben, verstehen zu wollen, was im Weißen Haus passiert.

Wie falsch das war, zeigte sich bereits, als die First Lady der USA nach ihrem umstrittenen Afrika-Trip ihr erstes Fernseh-Interview gab.

In diesem sagte die 48-Jährige dem ABC-Reporter, dass sie etlichen Mitarbeitern des Präsidenten nicht über den Weg traue und dies – intern – angesprochen habe. Ergebnis: „Einige von ihnen arbeiten jetzt nicht mehr dort.“

Beispielloser Schritt

Nach den für die Republikaner halbübel ausgegangenen Kongresswahlen hat die gebürtige Slowenin nun alle Diskretion fahren lassen. In einem beispiellosen Schritt verlangte sie via Mitteilung an die Presse die Entfernung der stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberaterin Mira Ricardel aus dem Weißen Haus.

FILE PHOTO: Deputy Assistant Secretary of Defense for Eurasian Policy, Mira Ricardel takes part in a meeting at the Pentagon in Washington

Die Frau mit kroatischen Wurzeln soll sich vor und während der Afrika-Reise gegenüber Melania Trumps Stab unbotmäßig verhalten und Gerüchte über die First Lady in Umlauf gebracht haben. Die beiden Frauen sind sich persönlich nie begegnet. Ricardel gilt als streitbar. Sie legte sich schon mit Verteidigungsminister James Mattis an.

„Erfüllungsgehilfe“

Derart unter Zugzwang, stellte Donald Trump der Stellvertreterin seines Top-Beraters John Bolton den Stuhl vor die Tür. Der für einige US-Beobachter an „eheliche Erpressung“ erinnernde Schritt verstärkt den Eindruck, dass der Präsident „nicht mehr Herr im Weißen Haus ist“.

Dass Melania Trump ihren Mann vor sich hertrieb, lasse diesen „äußerst schwach aussehen“, erklärten Analysten in US-Medien. Trump wirke wie ein „Erfüllungsgehilfe“.

Für Melania Trump ist die Optik ebenfalls unvorteilhaft. Ihr nimmermüdes Eintreten gegen Mobbing „steht in „krassem Kontrast zu ihrem Umgang mit Mira Ricardel“, sagte ein Beamter des Außenministeriums in Washington zum KURIER.

Über die Motive Melania Trumps wird in alle Richtungen spekuliert. Am häufigsten zu hören: „Die Nerven im Weißen Haus liegen einfach blank. Es herrscht Chaos.“

Um die Hackordnung wieder herzustellen, wird damit gerechnet, dass Donald Trump in Kürze neuerlich jemanden feuert: Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen und Stabschef John Kelly gelten als erste Wahl.