Auch 2026 wird eine Trump-Welt sein
US-Präsident Donald Trump zeigt seine Unterschrift unter einen Präsidialerlass
Es ist eine Trump-Welt, in der wir seit dem Vorjahr wieder leben – und daran wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern. Solange der 47. Präsident der USA im Weißen Haus sitzt, wird der bald 80-Jährige Republikaner die Welt in Atem halten. Mit welchen Entscheidungen Trump sein eigenes Land und alle anderen Staaten auch in Turbulenzen stürzen könnte, lässt sich schwer prognostizieren. Vermuten aber lässt sich, dass das einzige Land, das sich den trump’schen Wirbelstürmen unerschrocken entgegenstemmt, weiterhin China sein wird.
- China und das Jahr des Feuerpferdes: Am 17. Februar beginnt es – das chinesische Jahr des Feuerpferdes. Ein Tierkreiszeichen, das für Energie, Mut, Leidenschaft und große Veränderungen steht, besonders aber für unbändige Kraft. Dass sich Chinas Machthaber Xi Jinping in seiner Politik von der Bedeutung von Tierkreiszeichen leiten lässt, gilt eher als ausgeschlossen. Doch die unbändige Kraft des Reiches der Mitte, die wird Chinas Staats- und Parteichef die Welt spüren lassen:
Chinesischer Flugzeugträger
- Die Insel Taiwan, die China als sein natürliches Staatsgebiet sieht; Russland, das so sehr von der Duldung Chinas abhängt, alle Handelspartner in der Welt - und eben auch die USA. Kommt Trump mit Zöllen, kontert Peking ebenso. Droht Trump mit Sanktionen, dreht China den Export von Seltenen Erden ab.
Ungarns Premier Viktor Orban könnte im April erstmals seit 15 Jahren eine Wahlniederlage erleben
- Ungarn wählt – erstmals droht Viktor Orban eine Niederlage: Im April wird im EU- und NATO-Land Ungarn gewählt – und im Militärbündnis sowie in der EU verfolgt man den kommenden Urnengang mit größtem Interesse. Ist es doch Ungarns Premier Viktor Orban, der gemeinschaftliche Entscheidungen immer öfter torpediert und sich offen hinter Russlands Präsidenten Putin stellt. Doch das könnte sich nach dem Urnengang ändern. Erstmals seit 15 Jahren könnte der streitbare Regierungschef aus dem Amt gewählt werden. Die Umfragen weisen Orbans FIDESZ-Partei seit Monaten nur noch an zweiter Stelle aus. Der große Herausforderer ist ein FIDESZ-Abtrünniger: Peter Magyar, jetzt Oppositionschef und Gründer der Tisza-Partei. Anders als Orban agiert Magyar ausgesprochen pro-europäisch, seine Beliebtheitswerte steigen weiter.
Ukrainische Soldaten an der Front
- Der Ukraine-Krieg könnte nächstes Jahr enden: Russland zeigt zwar weiterhin keinerlei Zeichen des Einlenkens, doch der Druck, vor allem aus den USA, ist immens geworden, die Waffen zum Schweigen zu bringen. Seit einigen Monaten wird intensiv zwischen den USA und Russland verhandelt. Europa und die Ukraine haben sich zumindest einen Platz mit am Verhandlungstisch erkämpft. Die fortgesetzten russischen Angriffe haben die Ukraine bereits stark geschwächt – ewig kann das Land nicht mehr durchhalten. Größter Motor, die Waffen zum Schweigen zu bringen, aber ist Donald Trump. Der peilt zum einen den Friedensnobelpreis an und bereitet zum anderen die USA darauf vor, mit Russland nach Kriegsende wieder lukrative Geschäftsbeziehungen aufzubauen.
Der US-Kongress: Die Midterm-Elections gehen Anfang November über die Bühne
- Die US-Zwischenwahlen und Amerikas 250-Jahr-Geburtstagsfeier: Die weitere Zukunft Amerikas wird sich bei den Midterm-Wahlen Anfang November entscheiden, wenn der Kongress, das amerikanische Parlament, neu gewählt wird.
- Dabei könnte sich der wachsende Ärger vieler US-Bürger und Bürgerinnen über die hohen Lebenshaltungskosten in den USA negativ für die Republikaner - und damit auch für US-Präsident Trump auswirken. Und die Inflation dürfte noch steigen: Denn wenn Trump die teils exorbitant hohen Zölle nicht zurücknimmt, werden die Preissteigerungen nach Erwartung von Wirtschaftsexperten heuer spürbar auf die Konsumenten durchschlagen.
- Vor den Wahlen im November aber werden sich die USA noch mit ihrer Vergangenheit beschäftigen: Die Vereinigten Staaten werden heuer 250 Jahre alt – große Feste sind zu erwarten. Doch wie Republikaner und Demokraten ihre Vergangenheit sehen – darüber werden die Deutungen sehr stark auseinandergehen.
Der Wiederaufbau im weit gehend zerstörten Gazastreifen soll 2026 in Gang kommen
- Gaza – kein Krieg, aber auch noch kein Frieden: Ein mehr als zweieinhalbjähriger Krieg – nach den Terrorattacken der Hamas vom 7. Oktober 2023 – hat den Gazastreifen weitgehend zerstört und die Bevölkerung völlig traumatisiert zurückgelassen. Von Wiederaufbau ist vorerst noch immer nichts zu sehen, Millionen Tonnen von Schutt müssen beseitigt werden, unzählige nicht explodierte Geschosse liegen unter den Ruinen. Ein Friedensplan – von der Trump-Administration durchgesetzt – liegt auf dem Tisch. Die Umsetzung, wenn sie denn gelingt, wird noch Jahre dauern. Im ersten Jahr nach dem Krieg soll heuer eine internationale Friedenstruppe die Terrorgruppe Hamas entwaffnen und die Region stabilisieren. Gelingt dies, kann auch der Wiederaufbau des Gazastreifens in Angriff genommen werden. Die politische Zukunft der Palästinenser aber bleibt weiter offen.
Kommentar
Im Bann des Chef-Disruptors
Vor genau zwei Jahrzehnten, im Jahr 2006, wagte ein Zukunftsforscher einen Blick ins Jahr 2026: Dass China da als größte Volkswirtschaft der Welt die USA abgelöst haben würde, hat sich als nur eine der zahlreichen Fehlannahmen erwiesen. Die vielleicht lustigste davon: Rund um eine geopolitisch mächtig gewordene EU würden sich an die 70 Staaten aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten scharen und so weltweit ein extrem einflussreicher Player werden.
Nun, es kommt meist anders, als Zukunftsforscher oder Kartenleser oder Kristallkugelgucker prognostizieren. Aber eines lässt sich für das junge Jahr 2026 mit Sicherheit sagen: US-Präsident Donald Trump wird wieder für Turbulenzen sorgen - und die müssen auch nicht nur schlechte Folgen zeitigen. Der Chef-Disruptor der Weltpolitik träumt ja auch vom Friedensnobelpreis, was so viel bedeutet wie: Er muss es schaffen, Kriegsparteien wie etwa die Ukraine und Russland an den Verhandlungstisch zu bringen.
Aber Systematik geht dem Herrn im Weißen Haus ab, und Durchhaltevermögen zählt auch nicht gerade zu den Stärken des 47. US-Präsidenten. Deshalb weiß man nie so genau, was kommt – und ob das Angekündigte auch nächste Woche noch gilt.
Der Nachteil von Trumps Irrlichtereien liegt darin, dass auch so manch anderer Regierungs- oder Staatschef angespornt werden könnte, ähnlich zu handeln. Von China etwa sind keine Kompromisse zu erwarten, was seine Handels- und Wirtschaftspolitik betrifft – und was seinen gestrengen Blick auf Taiwan angeht, schon gar nicht. Dass sich Peking die Insel mit Gewalt holt, scheint auch 2026 eher weit hergeholt. Dass China es den USA nachmacht, wenn diese Venezuela mit einer Ölblockade belegen, liegt schon viel näher.
Und was macht Europa? Es hat heuer viele Hürden zu schaffen: Seine Wirtschaft und Verteidigung stärken. Sich stärker auf die eigenen Füße stellen – also das umsetzen, wovon Europa seit Jahren redet.
ingrid.steiner@kurier.at
Kommentare