Politik | Ausland
30.06.2018

Syrien: Flüchtende zwischen Armee und Grenze eingeschlossen

Aus Daraa, der letzten Hochburg der Rebellen, fliehen Hunderttausende nach Assad-Offensive.

Daraa am 15. Februar 2011. Zwei Jugendliche werden am Weg in die Schule von der Polizei kontrolliert. Um sich „bei denen da oben“ zu rächen, nehmen sie am nächsten Tag die Spraydose mit in die Schule. Sie sprühen, inspiriert von den Aufständen in Tunesien und Ägypten, „Du bist dran, Doktor“ an die Wand, ihren Präsidenten meinend, einen ausgebildeten Augenarzt. Sie werden wenig später festgenommen, festgehalten, gefoltert, wieder freigelassen. Im März gehen Eltern, Regierungsgegner und Reformbefürworter auf die Straße, um friedlich zu demonstrieren. Aber Bashar Assad, der Augenarzt, kennt kein Pardon. Die Sicherheitskräfte feuern mit echten Kugeln in die Menge. Dutzende Menschen sterben auch bei weiteren Protesten. Der Bürgerkrieg nimmt seither seinen Lauf.

In Daraa hat alles begonnen, die Region im Südwesten Syriens galt bis vor wenigen Tagen als die letzte Hochburg der Rebellen – die sich seit 2011 in mehr als Tausend Gruppen unterschiedlichster Ideologie aufgesplittert haben. In der vergangenen Woche startete das Assad-Regime die groß angelegte Daraa-Offensive. Mit massiven Luftschlägen zerstörten sie die Infrastruktur der Rebellenverbände, aber auch Wohngebiete und Krankenhäuser. Hunderttausenden blieb nichts anderes als die Flucht.

Humanitäre Krise

Die UN warnt vor einer humanitären Katastrophe. Innerhalb von zwei Tagen habe sich die Zahl der geflüchteten Personen im Grenzgebiet zu Jordanien auf mehr als 160.000 verdreifacht. Die UN fürchtet eine Art Belagerungszustand für die Schutzsuchenden. Die Grenze zu Jordanien ist geschlossen, in dem Nachbarland leben bereits 1,3 Millionen syrische Flüchtlinge. Auch Israel will die intern Vertriebenen nicht ins Land lassen. Die Regierung soll mit Russland, das Assad bei der Offensive unterstützt, vereinbart haben, dass keine iranischen Truppen in die Nähe der Grenze kommen. Die USA hat verkündet, dass die Regierungsgegner diesmal nicht mit amerikanischer Hilfe rechnen können. Also verhandelten die verbliebenen Rebellen in Daraa am Samstag mit dem russischen Militär über ein Ende der Kämpfe. Die Bedingung der Russen, dass die Rebellen sich in den Nordwesten zurückziehen sollen, seien für diese aber „erniedrigend“ gewesen und zurückgewiesen worden.