Nashörner werden gegen Wilderer radioaktiv gemacht
Von Franziska Trautmann
Radioaktive Nashörner – klingt wie aus einem Film, könnte aber bald Realität sein. In Südafrika wird gerade das Projekt „Rhisotope“ gestartet. Dabei sollen Isotope in das Horn der Tiere gespritzt werden. Laut Forschern eine harmlose Methode für Nashörner, gleichzeitig effektiv, um Wilderern das Handwerk zu legen. Aber was steckt dahinter?
Strahlen statt Sterben
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es weltweit rund 500.000 Nashörner, durch den ansteigenden Hornhandel am Schwarzmarkt ist nur mehr ein Bruchteil von 27.000 Tieren vorhanden. Südafrika hat sich jetzt den Kampf gegen illegalen Tierhandel auf die Fahnen geschrieben. Ihre Geheimwaffe: Radioaktivität.
Die Witwatersrand-Universität in Johannesburg hat in Zusammenarbeit mit Nuklearforschern ein Pilot-Projekt unter dem Namen „Rhisotope“ gestartet. Der Name stammt vom Prozess selbst, denn Isotope sollen mit ihrer radioaktiven Strahlung behilflich sein, Schmuggler leichter zu entlarven. Die sich in den Hörnern befindenden Isotope können am Flughafen bei der Sicherheitskontrolle erkannt werden.
„Selbst ein einzelnes Horn mit deutlich geringerer Radioaktivität als in der Praxis verwendet wird, löste erfolgreich Alarme in Strahlungsdetektoren aus“, sagte James Larkin, wissenschaftlicher Leiter des Rhisotope-Projekts gegenüber der Zeitung The Guardian. Selbst in vollgeladenen Schiffscontainern schlugen die Detektoren an.
Aus der Testphase und in die Wildbahn
In den ersten zwei Testphasen haben Forscher mit unterschiedlichen Hornproben und Isotopenkomponenten an der geeigneten Dosierung gearbeitet, damit die Isotope und somit Radioaktivität nur im Horn der Tiere bleiben. Durch mehrere Versuche konnte festgestellt werden, dass sich die Isotope nicht aus dem Horn bewegen und damit auch kein gesundheitliches Risiko für die Tiere darstellen.
Die berechneten Dosen entsprechen etwa einem Zehntel des Wertes, der von der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) als Dosisgrenze für Biota empfohlen wird. Unter besonderen Sicherheitsbestimmungen hat das Forscherteam in der dritten Testphase 20 Nashörner damit behandelt.
Über den Verlauf der dritten Phase hat das Team mit ständigen Proben die Gesundheit der Tiere überwacht, um Probleme früh genug zu erkennen. Das Fazit: Sie waren völlig gesund. Die Tierversuchs-Ethikkommission (AREC) der Universität Witwatersrand hat das Projekt und alle Versuche geprüft und genehmigt.
Auch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) mit Sitz in Wien unterstützt dieses Projekt. „Das Rhisotope-Projekt zeigt, wie die Kernwissenschaft und die Infrastruktur für nukleare Sicherheit auf neue Weise genutzt werden können, um globale Herausforderungen anzugehen“, sagte IAEO-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi. Laut Grossi unterstützt die IAEO Länder dabei, die Vorteile der Kernenergie optimal zu nutzen.
Jetzt möchte sich das nashornliebende Team aus der Testphase und in die freie Wildbahn begeben. Laut der Rhisotope-Website sind mittlerweile 30 Nashörner mit den Isotopen behandelt worden. Wenn der illegale Tierschmuggel damit gebremst werden kann, könnte das in Zukunft womöglich nicht nur Nashörner, sondern auch andere bedrohte Tierarten retten.
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