Spitzenpolitiker sehen Trumps Twitter-Sperre skeptisch

Spitzenpolitiker sehen Trumps Twitter-Sperre skeptisch
Le Maire fordert staatliche Regulierung von "Digitalriesen", auch Merkel nicht begeistert.

Nach der Sperrung des Twitter-Kontos von US-Präsident Donald Trump hat Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire verlangt, solche Entscheidungen nicht mehr Privatunternehmen zu überlassen. Er sei "schockiert" darüber, dass Twitter diese Entscheidung habe treffen können, sagte Le Maire am Montag dem Sender France Inter. Die Regulierung der Internet-Branche könne aus seiner Sicht "nicht von der Digital-Oligarchie selbst vorgenommen werden".

Twitter hatte das Konto Trumps bei dem Kurznachrichtendienst am Freitag nach dem Sturm auf das US-Kapitol dauerhaft gesperrt. Als Grund gab der Kurznachrichtendienst "das Risiko weiterer Anstiftung zur Gewalt" an.

Trump wird vorgeworfen, für die Erstürmung des Washingtoner Parlamentsgebäudes am Mittwoch mitverantwortlich zu sein, nachdem er seine Anhänger mit seinen unbelegten Wahlbetrugs-Vorwürfen angestachelt und zum Marsch auf das Kapitol aufgerufen hatte. Erst nach langem Zögern verurteilte Trump am Donnerstag die Gewalt.

"Die Erstürmung ist Folge der Lügen von Herrn Trump", sagte auch Le Maire. Er sehe in den Ereignissen "einen Angriff auf die Demokratie". Gleichzeitig sei aber auch "die digitale Oligarchie eine der Bedrohungen für die Staaten und die Demokratie". Die Regulierung der Online-Netzwerke dürfe nicht von den "Digitalriesen" selbst vorgenommen werden, sondern sei Aufgabe der Staaten und der Justiz. Auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich zuvor über einen Sprecher skeptisch bezüglich der Entscheidung von Twitter geäußert.

Unterstützung für die Äußerungen kam vom FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff. Er teilte einen Tweet Le Maires mit den Aussagen und kommentierte: "So ist es."

Auch der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), forderte mehr Aufsicht über die Online-Netzwerke. "Wir können es nicht den amerikanischen Big-Tech-Firmen überlassen, zu entscheiden, wie wir diskutieren und nicht diskutieren", sagte er der Nachrichten-Website "Politico". "Wir brauchen einen strengeren regulatorischen Ansatz."

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