Arbeitserlaubnis für mindestens 500.000 illegale Migranten
19,3 Prozent der Menschen in Spanien sind im Ausland geboren.
Per Dekret will Spaniens Regierung rund 500.000 Migranten ohne geregelten Aufenthaltsstatus eine befristete Aufenthalts- und sofortige Arbeitserlaubnis erteilen. Schätzungen reichen bis zu 800.000. Viele arbeiten in Landwirtschaft, Tourismus und Dienstleistungen – oft ohne Absicherung. Voraussetzung ist, dass die Migranten nachweisen können, vor dem 31. Dezember 2025 in Spanien gewesen zu sein, mindestens fünf Monate im Land gelebt zu haben und nicht straffällig geworden zu sein.
Die Genehmigung gilt zunächst ein Jahr und kann anschließend in eine reguläre Aufenthaltserlaubnis überführt werden. Anträge sollen ab April möglich sein, sobald das Dekret in Kraft ist.
Kritik kommt von rechts: PP und Vox warnen vor "Sogwirkungen" und zusätzlichen Belastungen für Arbeitsmarkt und Sozialsysteme. Die Regierung hält dagegen, dass Legalisierung Schattenarbeit eindämmt, Beiträge in die Sozialkassen bringt und eine Realität anerkennt, die längst Teil der Wirtschaft ist.
Die Dimensionen der Migration
Wie groß diese Realität ist, zeigen die Bevölkerungsdaten: Anfang 2025 lebten 49,1 Millionen Menschen in Spanien; 19,3 Prozent waren im Ausland geboren. Im Herbst 2025 entsprach das rund 9,8 Millionen im Ausland Geborenen.
Politischer Umweg und externer Druck
Die Maßnahme ist auch ein politischer Umweg: Eine ähnliche Gesetzesinitiative steckt im Parlament fest – für eine Mehrheit fehlen der Regierung Partner. Auslöser war zudem der Druck von Migrantenorganisationen und kirchlichen Gruppen, die bereits 2024 eine Bürgerinitiative in den Kongress gebracht hatten.
Inhaltlich setzt Madrid auf Integration in den Arbeitsmarkt – und auf die Stabilisierung des Sozialstaats. Spanien braucht Arbeitskräfte in Tourismus, Landwirtschaft, Pflege und Dienstleistungen. Reuters zitiert Analysten, wonach Migration Lücken schließt, die sonst rasch zu Engpässen führen würden.
Gute Wirtschaftsdaten: Rückenwind für das Dekret
Der Zeitpunkt spielt der Regierung in die Karten: Spaniens Arbeitslosenquote fiel im vierten Quartal 2025 auf 9,93 Prozent – den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise 2008. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist laut den Quartalsdaten auf 23 Prozent gesunken, bleibt aber weiterhin hoch.
Anfang Jänner meldete die Regierung außerdem, dass Ende Dezember 176.852 Arbeitslose unter 25 Jahren registriert waren – der niedrigste Stand seit Langem – gegenüber November ein Minus von 11.470 (-6,09 Prozent). Das spanische Bruttoinlandsprodukt ist nach Prognose der OECD im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent gewachsen.
Tourismusboom als Wachstumstreiber
Dazu trägt der boomende Tourismus bei: Spanien hat im vergangenen Jahr so viele ausländische Besucher angelockt wie noch nie. Insgesamt seien 97 Millionen Gäste ins Land gekommen und damit 3,5 Prozent mehr als 2024.
Herkunft & internationaler Vergleich
Zu den großen Herkunftsgruppen zählen etwa Menschen aus Marokko, Rumänien, Kolumbien und Venezuela. International schwimmt Spanien damit gegen den Trend zu härterer Migrationspolitik – auch in den USA, wo Präsident Donald Trump ein scharfes Vorgehen gegen irreguläre Migration propagiert.
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