Slowakei-Reise von Van der Bellen verschoben: Amtskollegin Čaputová in Quarantäne

Slowakei-Reise von Van der Bellen verschoben: Amtskollegin Čaputová in Quarantäne
Kein Treffen von Bundespräsident mit slowakischer Amtskollegin am Mittwoch: Verdachtsfall in Präsidentschaftskanzlei in Bratislava.

Die erste Auslandsreise von Bundespräsident Alexander Van der Bellen seit dem Corona-bedingten Lockdown in die Slowakei muss wegen eines Verdachtsfalls verschoben werden. Am Mittwoch in der Früh wurde ein Coronavirus-Verdacht in der slowakischen Präsidentschaftskanzlei gemeldet. Die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová begab sich deswegen in Heimquarantäne.

Einer der Mitarbeiter der slowakischen Präsidentin kam mit einer Person in Kontakt, die positiv auf Covid-19 getestet wurde. Die slowakische Präsidentin sagte daher ihr gesamtes geplantes Programm bis einschließlich Freitag ab und begab sich bis dahin vorsorglich in Quarantäne, teilte die Präsidentschaftskanzlei der APA mit.

Präsidentin wird auf Corona getestet

Der slowakische Gesundheitsminister Marek Krajčí erklärte, dass Čaputová im Laufe des Tages auf das neue Coronavirus getestet werde. Epidemiologen hätten alle Vorkehrungen getroffen. "Die Frau Präsidentin und das Team, mit dem sie im Präsidentenpalast zusammenarbeitet, ist in präventiver Quarantäne", sagte der Minister laut slowakischer Nachrichtenagentur TASR. Außer dem Treffen mit Van der Bellen verschob Čaputová auch ein geplantes Gespräch mit dem tschechischen Senatspräsidenten Miloš Vystrčil und einen Besuch in der Zentralslowakei.

Slowakei-Reise von Van der Bellen verschoben: Amtskollegin Čaputová in Quarantäne

Čaputová  bei ihrem Antrittsbesuch 2019 in Wien.

Wann der Besuch Van der Bellens nachgeholt wird, war vorerst nicht bekannt. Die Präsidentin werde aber den Bundespräsidenten am Mittwoch telefonisch kontaktieren und dabei auch ihr Bedauern über die leider notwendige Verschiebung ausdrücken, hieß es aus der Präsidentschaftskanzlei. Die beiden Staatsoberhäupter hatten ein ausführliches Vier-Augen-Gespräch in Čaputovás Heimatort Pezinok geplant. Dabei hätte es um die europäische Zusammenarbeit im Gefolge der Coronakrise, den wirtschaftlichen Neustart und die Bewältigung der Klimakrise gehen sollen.

Bisher nur wenige Coronafälle in der Slowakei

Die Slowakei (Einwohner: 5,5 Mio.) ist an sich vom Coronavirus im Vergleich zu anderen Ländern wenig getroffen worden. Kein führender slowakischer Politiker erkrankte bisher an Covid-19. Insgesamt wurden 1.589 Infektionen registriert. 28 Menschen starben und 113 Personen sind aktuell erkrankt. Zum Vergleich: in Österreich sind es laut Gesundheitsministerium 17.359 bestätigte Fälle, 474 aktive und 693 gemeldete Todesfälle.

Die Slowakei hatte sehr früh Restriktionen eingeführt: Schulen wurden geschlossen, drei Tage nachdem die erste Infektion bestätigt wurde. Auch die Grenzen wurden früh zugemacht. Zuletzt wurden die Maßnahmen aber wieder gelockert: Die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei wurde am 5. Juni geöffnet, damit waren keinerlei Auflagen wie Heimquarantäne oder Covid-Test mehr erforderlich. Auch in andere Länder konnten die Slowaken dann wieder reisen. Den Slowaken war es seit dem Wochenende wieder erlaubt, am Sonntag einkaufen zu gehen und Sportveranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern zu besuchen. In Innenräumen blieb aber die Maskenpflicht aufrecht.

Van der Bellen hatte die slowakische Präsidentin, die seit Juni 2019 im Amt ist, Ende August des Vorjahres zu einem ersten bilateralen Gespräch getroffen. Er bezeichnete Čaputová damals als "Mitstreiterin gegen die Klimakrise". Die ehemalige Bürgeranwältin und Umweltaktivistin, damals Vizechefin der außerparlamentarischen linksliberalen Partei "Progressive Slowakei", ist die erste weibliche Staatspräsidentin der Slowakei.

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