Zu billig? Zu chinesisch? Großer Wirbel um ein Kleid

Ihr lachsfarbenes Dinnerkleid könnte die Frau von US-Verteidigungsminister ausgerechnet bei chinesischen Billiganbietern gekauft haben - ein Politikum!
Ein Mann im Anzug gibt einer Frau im Abendkleid einen Kuss auf die Wange.

Kaum hatten sich am Wochenende die ersten Wellen der Aufregung gelegt – immerhin gab es einen Attentatsversuch auf US-Präsident Donald Trump beim renommierten Korrespondentendinner in Washington –, da türmte sich in den sozialen Medien schon die nächste Erregung zu einem regelrechten Tsunami auf: Stein des Anstoßes war das lachsfarbene, schulterfreie, hautenge Kleid von Jennifer Rauchet.

Wobei sich amerikanische Influencerinnen nicht über die Passform des Stückes beschwerten, sondern über dessen – vermeintliche – Herkunft. Ausgerechnet beim großen Gegner der USA, beim chinesischen Online-Riesen Shein, soll die Frau des US-Verteidigungsministers Pete Hegseth ihr Billigkleid erworben haben – um wohlfeile 44 Dollar. Auf der anderen chinesischen Plattform Temu soll dasselbe Kleid gar für 12 Dollar zu haben sein.

Im Handelskrieg

Shein ist ein gigantischer chinesischer Online-Marktplatz für Fast Fashion. Temu wiederum ist Chinas Antwort auf Amazon – während Pentagonchef Hegseth ständig „America First“ propagiert. Die USA befinden sich in einem Handelskrieg mit China, und Rauchets Ehemann äußert sich wieder und wieder besorgt über die Bedrohung, die von China für die Welt ausgehe.

Die Empörung kannte bald kein Halten mehr – Millionen Posts wurden binnen drei Tagen ausgetauscht. Diet Prada, der gefürchtetste Instagram-Account der Modebranche, stürzte sich sofort genüsslich auf die vermeintliche Affäre: Kriegsminister Hegseth wisse doch hervorragend, wie er Geld ausgeben könne, war da zu lesen – nämlich allein 93,4 Milliarden Dollar im März für das Verteidigungsministerium. Darunter fallen Ausgaben von 9 Millionen Dollar für „Königskrabben aus Alaska“, 100.000 Dollar für ein Piano oder 153.000 Dollar für Donuts. „Und bei all seiner Fähigkeit, mit Geld um sich zu werfen, legt er kein Geld für die Garderobe seiner Frau zur Seite – und sie muss sich dann das Billigste vom Billigen krallen“, ätzte Diet Prada.

Die Antwort aus dem MAGA-Lager ließ nicht lange auf sich warten: So verteidigte die rechtsextreme Aktivistin Laura Loomer Rauchet: „Sie sieht fantastisch aus. Ich dachte, die Linke wolle die Reichen enteignen? Und jetzt wollen Sie jemanden angreifen, der keine 10.000 Dollar für ein Kleid ausgegeben hat, das er nur einmal tragen wird.“

Jennifer Rauchet hat sich bisher nicht öffentlich zu ihrem Kleid geäußert. Abseits ihrer angeblichen Billig-Garderobe aus China steht die 48-jährige TV-Moderatorin auch in der Kritik, weil ihr Mann sie bei geheimen Verhandlungen, wie etwa bei Gesprächen mit Großbritanniens Regierung, mithören hat lassen. 

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