"Schlitzaugen"-Rede: Oettinger entschuldigt sich

"Das war nicht meine Absicht, ich würde mich gerne dafür entschuldigen", so der EU-Kommissar.

Der EU-Kommissar Günther Oettinger hat sich für seine umstrittenen Aussagen entschuldigt. "Ich hatte Zeit, über meine Rede nachzudenken, und sehe jetzt, dass die von mir verwendeten Worte schlechte Gefühle hervorriefen und vielleicht Menschen verletzten", erklärte der deutsche EU-Politiker in einer Aussendung am Donnerstag. "Das war nicht meine Absicht, ich würde mich gerne dafür entschuldigen."

Nach Gespräch mit Juncker

Die Entschuldigung von EU-Digitalkommissar Günther Oettinger für seine umstrittenen Aussagen erfolgte einen Tag nach einem Gespräch mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Ein Kommissionssprecher erklärte, es werde auch am morgigen Freitag eine weitere Unterhaltung zwischen Oettinger und Juncker geben. Dabei werde aber nicht die Rolle der Vizepräsidentschaft für Oettinger erörtert. Angesprochen darauf, warum die Entschuldigung Oettingers erst drei Tage nach der Aufregung vom Montag erfolgte und Anfangs der Woche von einer Entschuldigung noch keine Rede war, winkte der Sprecher ab. Es sei auch für solche wichtigen Entscheidungen die erforderliche Zeit notwendig. Außerdem gehe es nicht darum, über die "transzendentalen Momente" zu spekulieren, was letztlich den Ausschlag gegeben habe.

Oettinger hatte zuletzt in einer Rede in Hamburg Chinesen als " Schlitzaugen" bezeichnet, von einer vermeintlichen "Homo-Pflichtehe" gesprochen und durchklingen lassen, dass Frauen ohne Quotenregelung keine Spitzenpositionen erreichen könnten. Außerdem hatte er angesichts der ursprünglichen Ablehnung des Handelsabkommens EU-Kanada (CETA) durch die Wallonie die belgische Region als von Kommunisten geführt bezeichnet, die ganz Europa blockierten. Gegenüber der "Welt" meinte Oettinger nur, " Schlitzaugen" sei eine "saloppe Äußerung" gewesen.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Sprüche des Schwaben diskutiert werden. Hier eine Auswahl:

(Am 5. August 2007 in Rottenburg beim 50. Geburtstag des örtlichen Oberbürgermeisters Tappeser (CDU).)

"Ich habe weiterhin die Absicht, in meiner Zeit außerhalb der Kernarbeitszeit gesellig zu bleiben, leutselig und bürgernah."

(Am 18. Dezember 2007 in Stuttgart befragt zu einer feucht-fröhlichen Feier im Keller der Brüsseler Landesvertretung im Januar 2007 und zu einem Foto, das ihn dabei mit einem Teesieb als Brille zeigt.)

"Ich weiß nur, dass ich mich in der Öffentlichkeit und privat benehmen kann."

(Am 18. Dezember 2007 in Stuttgart zum selben Thema.)

"Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes."

(Am 11. April 2007 im Freiburger Münster bei der Trauerfeier für den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten und früheren NS-Marinerichter Filbinger.)

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