Politik | Ausland
19.05.2018

Schiiten-Prediger gewinnt richtungsweisende Wahl im Irak

Der Wahlsieg des Klerikers Muqtada Al-Sadr gibt Rätsel auf. Vor allem in Washington und Teheran.

Amerikas Mann in Bagdad hat eine Niederlage einstecken müssen. Eine gewaltige. Haidar al-Abadi, der amtierende Premierminister Iraks, hat bei der Parlamentswahl am 12. Mai kräftig verloren. Das wurde am Samstag Gewissheit, als endlich alle Stimmen ausgezählt waren. Er wurde nur dritter.

Wahlsieger darf sich nun der schiitische Kleriker Muqtada al-Sadr nennen. Und er ist kein unbeschriebenes Blatt im Irak. Sein Familienname ist hier wohlbekannt.

Sein Vater Mohammed Sadeq war ein berühmter Ayatollah, der in den 1990ern die „Sadristische Bewegung“ begründet hat, eine der mächtigsten politischen Bewegungen im Irak, wie Ranj Alaaldin vom Brookings Institute erklärt. Sie kämpfte gegen das Baath-Regime und stand der schiitischen Unterklasse bei. Die Sadristen gelten bis heute als pro-schiitisch und anti-amerikanisch und haben laut Alaaldin stark dazu beigetragen, dass der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten im Irak wieder größer geworden ist.

Neue Anti-Iran-Orientierung

Muqtada al-Sadr selbst ist bekannt dafür, dass er mit seiner privaten Mahdi-Armee nach Saddam Husseins Sturz 2003 gegen die US-Armee und ihre Verbündeten gekämpft hatte. Die Mahdi-Armee wurde stark vom schiitischen Iran unterstützt. Dennoch hat sich der frühere Teheran-Freund Muqtada al-Sadr im aktuellen Wahlkampf als Gegner des iranischen Einflusses positioniert – und hat sich in der jüngeren Vergangenheit sogar in Richtung Saudi-Arabien orientiert.

Al-Sadr hat sich für die Wahl auf eine ungewöhnliche Allianz mit Kommunisten und Säkularen eingelassen, die sich ausdrücklich gegen ausländischen Einfluss im Irak wehrt – insbesondere eben gegen jenen aus Teheran und Washington.

Zwar wird die Regierungsbildung noch lange dauern und Al-Sadr selbst wird nicht Premierminister werden, weil er gar nicht namentlich zur Wahl stand. Doch der US-Gegner wird der Strippenzieher in der neuen Regierung sein. „Washington hat in diesem Land viel Blut und Geld investiert“, heißt es beim Brookings Institute. Man habe sich auf den Kampf gegen den Terrorismus konzentriert und darauf, dass der Irak nicht weiter in die Fänge Teherans rutscht. In der US-Hauptstadt muss man sich nun eine neue Irak-Politik überlegen.