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"Schwere Eskalation": Russische Drohne trifft Hochhaus in Rumänien

Der Einschlag löste einen Brand im zehnten Stock eines Wohnblocks aus. Zwei Menschen wurden verletzt. Rumänien ist EU- und NATO-Mitglied.

Eine russische Drohne hat in der rumänischen Stadt Galați nahe der Grenze zur Ukraine ein Hochhaus getroffen. Der Einschlag löste einen Brand im zehnten Stock des Gebäudes aus, zwei Leichtverletzte wurden vor Ort versorgt, wie das rumänische Innenministerium mitteilte. Es hagelte internationale Proteste, unter anderem von NATO und EU. Russland bestätigte noch nicht, dass es sich um ihre Drohne handle, warnte aber die europäischen Staaten vor weiteren Drohnen-Vorfällen.

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, erklärte, es herrsche Krieg, und die Bürger der EU-Staaten würden nicht mehr ruhig schlafen können. Die europäischen Politiker sollten sich jedoch nicht empören, da sie sich direkt an einem Krieg gegen Russland beteiligten. Solche Vorfälle würden sich weiter ereignen, insbesondere dort, wo Drohnen für die Ukraine hergestellt würden, so Medwedew. Zudem kündigt das russische Außenministerium eine rasche Reaktion auf die Schließung des russischen Konsulats im rumänischen Constanța durch die Regierung in Bukarest an.

Zuvor hatte der rumänische Präsident Nicosur Dan den Nationalen Verteidigungsrats einberufen, um "angemessene" Maßnahmen gegen Russland zu erörtern. Der EU- und NATO-Staat Rumänien warf Russland nach dem Einschlag eine "schwere und unverantwortliche Eskalation" vor. Bukarest werde die notwendigen diplomatischen Maßnahmen ergreifen, um auf diesen schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht und die Verletzung seines Luftraumes zu reagieren, teilt das Außenministerium mit. Rumänien wird es nach den Worten von Dan nicht hinnehmen, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf seine Bevölkerung übergreift. Das Land berief den russischen Botschafter ein. Außerdem wurde der russische Konsul in der Hafenstadt Constanța von Rumänien ausgewiesen, das dortige Konsulat werde geschlossen.

Meinl-Reisinger bestellt russischen Botschafter ein

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verurteilte den Angriff auf der Online-Plattform X."Ich verurteile ihn auf das Schärfste!", schrieb er. Der russische Drohnenangriff auf Wohngebäude in Rumänien sei eine weitere gefährliche Eskalation und "absolut verwerflich", erklärte Stocker. Man stehe in "voller Solidarität hinter unseren Freunden und Partnern in Rumänien" und wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung. Österreich unterstütze zudem uneingeschränkt die gemeinsamen europäischen Bemühungen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und der Verteidigungsfähigkeiten gegen die Bedrohung durch Drohnenangriffe.

Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bestellte nach dem Drohnenangriff den russischen Botschafter in Österreich ein. Sie verurteilte in einen Statement den Angriff und sagte, dass Europa sich nicht einschüchtern lassen werde. "Jeder neue Angriff lässt Europa nur enger zusammenrücken."

NATO-Transfer von Drohnenabwehrkapazitäten

Rumänien habe die Verbündeten und NATO-Generalsekretär Mark Rutte über den Vorfall informiert. Zudem habe man darum gebeten, den Transfer von Drohnenabwehrkapazitäten nach Rumänien zu beschleunigen. Die NATO hat Rumänien nach dem Einschlag einen Ausbau der Abwehrfähigkeiten in Aussicht gestellt. "Wir verurteilen Russlands Rücksichtslosigkeit, und die NATO wird ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter stärken - auch gegen Drohnen", teilte Sprecherin Allison Hart mit. Die NATO warf ihrerseits Russland Rücksichtslosigkeit vor. Sie werde ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter verstärken, erklärt ein Sprecher des Militärbündnisses auf der Social-Media-Plattform X. Dies betreffe auch Drohnen.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach Rumänien die "uneingeschränkte Solidarität" der NATO ausgesprochen, wie er am Freitag im Onlinedienst X schrieb. Das rücksichtslose Verhalten Russlands sei eine Gefahr für alle und der Einschlag zeige erneut, dass die Auswirkungen des illegalen Angriffskrieges nicht an den Grenzen Halt machten. Die NATO sei bereit, jeden Zentimeter ihres Territoriums zu verteidigen. Das Bündnis werde seine Abschreckung und Verteidigung stärken und die Ukraine weiterhin unterstützen.

Fire burns on the roof of a 10-story block of flats after a drone crashed into the building in Galati

Der Einschlag löste einen Brand im zehnten Stock eines Wohnblocks aus. Zwei Menschen wurden verletzt.

Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker schrieb auf der Online-Plattform X:"Wir stehen an der Seite unseres NATO-Verbündeten Rumänien und verurteilen dieses rücksichtslose Eindringen in sein Territorium." Er nannte Russland dabei namentlich nicht. Seine Gedanken seien bei den Verletzten. Die USA würden jeden Zentimeter des NATO-Territoriums verteidigen.

Neben der USA und Österreich kritisierten auch Frankreich, Deutschland und Großbritannien die Verletzung des NATO-Luftraums scharf. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot warf Moskau eine "unverantwortliche Handlung" vor. Die britische Außenministerin Yvette Cooper bezeichnete das Geschehen als "extrem gefährlich". Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte: "Wir sind bereit, das Bündnisgebiet zu verteidigen."

Unterstützung "in jeder erforderlichen Weise"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach davon, mit dem Drohneneinschlag in Rumänien habe Russland erneut eine Grenze überschritten. "Wir stehen voll und ganz solidarisch an der Seite Rumäniens und seines Volkes", erklärt sie in einem Beitrag auf der Online-Plattform X. "Während wir unsere Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen, insbesondere an unserer Ostgrenze, weiter verstärken, werden wir den Druck auf Russland weiter erhöhen."

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sicherte Rumänien Unterstützung "in jeder erforderlichen Weise" zu. Zudem drang er auf neue, wirksame Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland. Die Strafmaßnahmen müssten so stark sein, dass Russland die erheblichen Verluste durch seine Angriffe im eigenen Land spüre, schrieb Selenskyj auf X.

Russland Bedrohung für europäische Sicherheit

Der Einschlag der russischen Drohne zeigt nach Einschätzung des französischen Europaministers Benjamin Haddad, dass Russland eine Bedrohung für die europäische Sicherheit darstellt. "Russland hat nicht nur die Ukraine angegriffen, sondern auch die europäische Sicherheitsarchitektur bedroht", sagt Haddad dem französischen Rundfunksender RMC. "Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass wir im Rahmen der NATO-Sicherheitseinsätze französische Truppen in Rumänien stationiert haben, um insbesondere unsere Unterstützung für die Souveränität unserer Partner in Europa zu demonstrieren." In Frankreich wurde ebenso der russische Botschafter einbestellt.

Das Verteidigungsministerium in Bukarest erklärte, Russland habe in der Nacht auf Freitag in der Ukraine in Grenznähe erneut zivile Ziele und Infrastruktur mit Drohnen angegriffen. Eine davon sei in den rumänischen Luftraum eingedrungen und über dem Hochhaus in Galați abgestürzt. Die Drohne habe sich vier Minuten lang im rumänischen Luftraum befunden, sagte Brigadegeneral Gheorghe Maxim auf einer Pressekonferenz. Sie sei so tief geflogen, dass sie vom Radar kaum zu orten gewesen sei.

Ein auf Explosionen spezialisiertes Ermittlerteam machte sich in der Nacht auf den Weg zum Einsatzort. Zwei Kampfflugzeuge der Luftabwehr vom Typ F-16 seien um 01:19 Uhr vom Militärstützpunkt Fetești aufgestiegen, unterstützt von einem Hubschrauber der rumänischen Luftwaffe. Auf die Frage, warum die Streitkräfte des Landes die Drohne trotz Sichtung auf dem Radar nicht abgeschossen hätten, erklärte der rumänische Verteidigungsminister Radu Miruta, ein Abschuss über bewohntem Gebiet hätte noch mehr Schaden angerichtet und Menschenleben gefährdet als der Absturz selbst. Schwierig sei ein Abschuss auch, weil Rumänien bei derartigen Manövern den Luftraum eines anderen Staates nicht verletzen dürfe. Zugleich beklagte das Verteidigungsministerium, dass man aufgrund rechtlicher Einschränkungen Radargeräte nicht an den geeignetsten Stellen platzieren könne. Eine 53 Jahre alte Bewohnerin und ihr 14-jähriger Sohn erlitte leichte Brandwunden. Galați liegt an der Donau, die Grenzen zur Republik Moldau und zur Ukraine sind jeweils nur wenige Kilometer entfernt.

Mehrfach russische Drohnentrümmer im Grenzgebiet gefunden

Russland greift die benachbarte Ukraine immer wieder mit zahlreichen Drohnen an. Dabei gab es auch einzelne Fälle, bei denen Drohnen den Luftraum von NATO-Staaten verletzten. Auch der ukrainische Donauhafen Reni in der Nähe von Galați ist immer wieder Ziel russischer Angriffe. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Bukarest verletzten russische Drohnen 28-mal den rumänischen Luftraum, seit Russland mit den Angriffen auf ukrainische Häfen an der Donau begann.

Am frühen Freitagmorgen stand der ukrainische Donau-Hafen Ismajil nahe der rumänischen Grenze erneut unter Drohnenbeschuss. In den vergangenen Wochen waren zudem ukrainische Drohnen in den Luftraum der baltischen Staaten geraten, was dort für Unruhe gesorgt und die Spannungen mit Russland verschärft hatte.

Die rumänische Stadt Galati war zuletzt im April von einer Drohne getroffen worden, die damals jedoch keine Menschen verletzte. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen Russlands Angriffskrieg. Fast täglich greift Moskau das Nachbarland mit Drohnen und auch mit Raketen an. Rumänien grenzt auf einer Länge von 650 Kilometern an die Ukraine.

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