Experte warnt: Russland kann Baltikum mit 15.000 Soldaten übernehmen

Russland könnte laut Simulation mit 15.000 Soldaten das Baltikum übernehmen. Die baltischen Staaten gelten als militärisch schwer zu verteidigen.
Russian soldiers undergo military training in Rostov region

Zusammenfassung

  • Russland könnte laut Simulation mit 15.000 Soldaten das Baltikum durch Schaffung eines Korridors nach Kaliningrad unter Kontrolle bringen.
  • Die baltischen Staaten gelten als militärisch schwer zu verteidigen und sind durch ihre geografische Lage besonders exponiert.
  • Russlands Ziel wäre die Diskreditierung der NATO, indem es glaubhaft demonstriert, dass das Bündnis das Baltikum nicht effektiv schützen kann.

Russland kann die drei baltischen NATO-Staaten mit einer Streitmacht von nur 15.000 Soldaten in seinen Machtbereich bringen. Dies ist laut dem österreichischen Militärexperten Franz-Stefan Gady das Ergebnis eines aufwendigen Simulationsspiels, das von der Bundeswehr-Universität Hamburg durchgeführt wurde. Konkret müsste die strategisch wichtige litauische Stadt Marijampole eingenommen werden, um einen Korridor zur russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad zu schaffen.

Baltische Staaten sind kaum zu verteidigen

"Um die militärischen Ziele im Baltikum zu erreichen, muss Russland nicht in Litauen oder in Lettland oder in Estland einmarschieren. Es kann von Weißrussland und von Kaliningrad eine sogenannte Feuerkontrolle etablieren", sagte Gady in einem Podcast der Bild-Zeitung.

Die baltischen Staaten liegen in einer äußerst exponierten Lage, die kaum zu verteidigen ist. Im Westen grenzen sie an Kaliningrad bzw. die Ostsee, die sie auch vom nördlichen NATO-Staat Finnland trennt. Im Osten befinden sich Landgrenzen zu Russland beziehungsweise dem russischen Vasallenstaat Belarus. Die einzige Landverbindung zu einem NATO-Partner ist die etwa 100 Kilometer lange litauisch-polnische Grenze, auch Suwalki-Korridor genannt.

Diskreditierung der NATO als Ziel

Mit der Etablierung einer "Feuerkontrolle" könnte Russland die wichtigsten strategischen Stellungen im Baltikum mit Raketenwerfern, Artillerie und Drohnen unter Beschuss nehmen und Gegner von einer Intervention abhalten, so Gady. Zweck der Aktion wäre es, die NATO zu diskreditieren. Demnach würde Moskau darauf spekulieren, dass nicht nur die USA und Deutschland, sondern gar das angrenzende Polen vor einem verlustreichen Eingreifen im Baltikum zurückschrecken und dieses Russland kampflos überlassen würden.

"Das Kriegsziel Russlands im Baltikum ist die Diskreditierung der NATO als Bündnis und die Schwächung (...) der Europäischen Union. Und das kann erreicht werden, indem es glaubwürdig demonstriert, dass die NATO und andere Länder der EU nicht wirklich viel machen können, wenn Russland quasi sagt: Wir schneiden das Baltikum vom Rest Europas ab", so Gady.

Das Baltikum gilt schon seit längerem als Achillesferse des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses. Nach Einschätzung von Miltärexperten ist es in einem konventionellem Krieg kaum gegen Russland zu verteidigen, das in seiner Exklave Kaliningrad auch Atomwaffen stationiert hat. Eine mögliche russische Übernahme des Baltikums spielte auch eine wichtige Rolle bei der Entscheidung der langjährigen bündnisfreien Staaten Schweden und Finnland, nach Beginn des Ukraine-Krieges der NATO beizutreten. So befürchtete etwa Schweden, dass Russland die strategisch bedeutende Ostsee-Insel Gotland einnehmen könnte, um das Baltikum auch vom Westen aus beherrschen zu können.

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