Reservisten verweigern Rückkehr in Gaza-Krieg
Symbolbild
Zusammenfassung
- Reservisten des israelischen Militärs verweigern aus ethischen und rechtlichen Gründen die Rückkehr in den Gaza-Krieg.
- Kritik an der politischen Führung und der Besetzung von Gebieten in Gaza wird von den Reservisten geäußert.
- Erschöpfung und politische Gründe wie der Justizumbau in Israel senken die Motivation der Reservisten.
Reservisten des israelischen Militärs verweigern örtlichen Medien zufolge zunehmend die Rückkehr in den Krieg im Gazastreifen.
Dem israelischen Fernsehsender Kan zufolge begründeten Dutzende Reservisten des Sanitätskorps ihre Weigerung in einem Schreiben unter anderem mit ethischen und rechtlichen Gründen sowie der Ausweitung des Kriegs "jenseits aller Vernunft". Das Schreiben wurde demnach von medizinischen Fachkräften unterschiedlicher militärischer Ränge unterzeichnet.
Kritik an politischer Führung
Der Krieg schade der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten, dem sozialen Gefüge des Landes und dem langfristigen Überleben Israels, zitierte der Sender aus dem Schreiben. Die Reservisten nannten demnach als weiteren Grund die Besetzung von Gebieten in Gaza. Verteidigungsminister Israel Katz hatte kürzlich gedroht, Israel werde Teile des Küstenstreifens dauerhaft einnehmen.
Je länger sich die islamistische Hamas weigere, Geiseln freizulassen, desto mehr Territorium werde sie an Israel verlieren, sagte Katz. Eine Besiedlung des Gazastreifens würde gegen das Völkerrecht verstoßen, erklärten die Reservisten des Sanitätskorps dem Bericht zufolge in ihrem Schreiben.
In Israel gilt für Männer und Frauen die Wehrpflicht. In Krisenzeiten ist der jüdische Staat jedoch stark auf seine Reservisten angewiesen. So mobilisierte die Armee für den Krieg im Gazastreifen Hunderttausende von ihnen und beließ sie zum Teil viele Monate lang bei ihren Einheiten an der Front.
Erschöpfung nach monatelangen Einsätzen
Nachdem sich Israel und die Hamas nicht auf eine Fortsetzung der im Jänner in Kraft getretenen Waffenruhe einigen konnten, greift die israelische Armee seit Tagen wieder massiv in Gaza an. Doch in den Reihen der für die Militäroperation benötigten Reservisten sinkt auch anderen israelischen Medienberichten zufolge die Motivation, nach den vielen Einsätzen in den vergangenen 16 Monaten erneut in den Kampf zu ziehen. Bei vielen Reservisten und ihren Familien mache sich Erschöpfung breit.
Hinzu kommen den Berichten zufolge politische Gründe wie der von der rechtsreligiösen Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu angestrebte Umbau des Justizwesens. So billigte das Parlament jüngst ein Gesetz, das laut Kritikern künftig mehr politischen Einfluss bei der Ernennung von Richtern ermöglichen würde, falls Klagen dagegen erfolglos bleiben sollten. Kritiker sehen durch das Vorhaben die Demokratie gefährdet.
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