Politik | Ausland
31.01.2018

Rede zur Nation: Trump wieder bei Falschaussagen erwischt

Factchecker haben Donald Trumps Rede zur Lage der Nation auf den Wahrheitsgehalt überprüft. Der US-Präsident nahm es damit nicht so genau - einmal mehr.

Die Geschichte von Donald Trumps falschen, öffentlichen Aussagen ist lang und geht bis weit hinter seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten zurück. Man erinnert sich an seine Kampagne im Rahmen der "Birther"-Verschwörungstheorien, die Ex-Präsident Barack Obama fälschlicherweise unterstellte, nicht in den USA geboren worden und damit kein legitimer Amtsträger zu sein.

Auch als Präsident begann Trump seine Amtszeit mit frei erfundenen Fakten. Seine Angelobung vor einem Jahr sei die meistbesuchte und meistgesehene aller Zeiten gewesen, hieß es von seiten der Regierung, was sich schnell als unhaltbar erwies. Seine Strategie, ständig und in bisher ungekannter Häufigkeit schlicht falsche Dinge ungeniert rauszuposaunen trieb seine Wahl-Konkurrentin Hillary Clinton sogar dazu, während TV-Debatten im Web Live-Factchecker zu engagieren.

Aber auch unabhängiges, journalistisches Factchecking wurde mit dieser US-Regierung wieder besonders gefragt. Eine der Organisationen, die dem Präsidenten (aber auch allen anderen Politikern) bei öffentlichen Aussagen auf den Zahn fühlt, ist seit vielen Jahren die mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgestattete Plattform Politifact. Sie teilt Statements in Kategorien ein: Von der schlechtesten Marke "Pants on fire" (eine Phrase, die einem Kinderreim über Lügner entstammt) über "falsch", "größtenteils falsch", "halbwahr" und "größtenteils richtig" bis hin zu "richtig". Die genauen Begründungen und Quellen zu den Fakten kann man auf der Plattform stets genauer nachlesen.

Hälfte von Trumps überprüften Aussagen falsch

Auch die erste Rede Trumps zur Lage der Nation am Dienstag wurde dementsprechend mit Argusaugen beobachtet. Und die Auswertung bestätigt einmal mehr, warum das auch notwendig zu bleiben scheint. Zehn Statements des Präsidenten aus dieser mit Spannung erwarteten, traditionellen Rede wurden von Politifact überprüft. Nur eine einzige davon bewertete Politifact als "wahr". Als Trump sagte, "die Zuversicht von Kleinunternehmen liegt auf einem Allzeit-Hoch", lag er richtig.

Eine glatte Lüge haben die Factchecker zwar nicht entdeckt, zwei Aussagen waren allerdings schlicht falsch. Trump behauptete einmal mehr gegen alle Fakten, seine Steuerreform sei die größte Steuersenkung aller Zeiten. Und er behauptete, die Green Card-Lotterie würde überhaupt nicht auf Fähigkeiten der Immigranten und die Sicherheit der Amerikaner achten. Drei weitere Statements waren "größtenteils falsch" (etwa, dass die Gehälter seit seiner Amtsübernahme), eine "halbwahr", drei "größtenteils wahr" (etwa, dass Syrien und der Irak nahezu besiegt wurde).

Trump lügt öfter, als er richtig liegt

Ungefähr ein Jahr nach Trumps Dienstantritt hat Politifact insgesamt bereits 509 Aussagen des Präsidenten überprüft. Nur fünf Prozent davon bekamen dabei das Prädikat "wahr" verpasst. Öfter wurde er beim ungezügelten Lügen ertappt (15 Prozent). Die größte Kategorie sind die schlichtweg "falschen" Aussagen (33 Prozent). Weitere 21 Prozent sind "größtenteils falsch". Insgesamt fallen also 69 Prozent in die drei schlechtesten Kategorien.

Natürlich ist diese Sammlung keine statistisch genormte Vollerhebung all seiner Aussagen - bei Schwindeleien wird der Instinkt zum Factcheck wvermutlich schlicht öfter provoziert. Der Vergleich Trumps mit seinem Vorgänger Barack Obama zeigt aber trotzdem einen wesentlichen Unterschied. Bei Obama lag dieser Gesamtwert der drei negativsten Kategorien bei 26 Prozent.