Rechtsruck bei Frankreichs Rechten: Zemmour wirbt Le Pen Personal ab

Éric Zemmour steht auf einer Bühne und winkt seinen Anhängern zu.
Immer mehr Politiker des Rassemblement National wechseln zum rechtextremen Kandidaten Éric Zemmour.

aus Paris Simone Weiler

Wer wird als Nächstes ankündigen, dass er oder sie mitten im Präsidentschaftswahlkampf den rechtsnationalen Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen verlässt, um sich dem rechtsextremen Kandidaten Éric Zemmour anzuschließen? In den Rängen des RN, so heißt es, stellen sich alle diese bange Frage.

Am Mittwoch verkündete die EU-Abgeordnete Maxette Pirbakas in der Zeitung Le Figaro ihre Entscheidung, sich dem Journalisten anzuschließen, der Le Pen von rechts Konkurrenz macht. "Er ist nicht wie ein Politiker. Ich finde mich in ihm wieder, er hört zu", sagte die 46-Jährige aus Guadeloupe, die beim RN bislang die Überseegebiete vertrat.

Sie folgte auf Schwergewichte der Partei wie die EU-Abgeordneten Gilbert Collard und Jérôme Rivière, der bekannte TV-Kommentator Jean Messiha und Damien Rieu, der Mitbegründer der inzwischen verbotenen rechtsextremen Bewegung "Identitäre Generation". Sie alle haben zwar die Seite gewechselt, aber nicht das ultrarechte Lager.

Hinter Le Pen

In ihren einander ähnelnden Programmen fordern Le Pen wie Zemmour in erster Linie einen Einwanderungsstopp und klare Nachteile für Migranten. Zemmour, der schon mehrmals wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, ist in seiner Wortwahl der Gröbere und verbreitet die rechtsextreme Verschwörungstheorie vom "Großen Bevölkerungsaustausch" der "weißen Rasse".

Marine Le Pen mit Anhängern und Sicherheitskräften auf einer Straße.

Marine Le Pen laufen die Kandidaten davon.

In Umfragen liegt der 63-Jährige mit 13 bis 14 Prozent rund zwei Punkte hinter Le Pen. Nach jetzigem Stand dürfte sie bei den Wahlen im April mit der Konservativen Valérie Pécresse um den Einzug in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Emmanuel Macron kämpfen. Zemmours Kandidatur erschwert dieses Ziel.

Es gilt als offensichtlich, dass die Überläufer sich bereits auf die Zeit nach der Wahl vorbereiten und an der Seite Zemmours mehr Aufstiegspotenzial erkennen.

Zemmour zu Gast bei Orbán

Dieser behauptet, trotz seines radikalen Auftretens als Einziger eine "Union der Rechten" durch eine Vereinigung mit dem rechten Flügel der Republikaner anführen zu können. Deren frühere Nummer zwei, Guillaume Peltier, hat er abgeworben. Die Idee eines Zusammenschlusses verfolgt auch Le Pens Nichte Marion Maréchal, die mit Zemmour im Herbst bei einer vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán organisierten Konferenz auftrat. Das sei "brutal", reagierte Le Pen.

Zumindest erhielt sie Unterstützung von ihrem Vater, dem einstigen Parteigründer Jean-Marie Le Pen. Er wolle eine Versöhnung organisieren, versprach der 93-Jährige. Der Erfolg erscheint mehr als ungewiss.

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