Polizei räumt wichtiges Protestlager in Hongkong

Eine Menschenmenge drängt sich vor einer Absperrung, während Fotografen die Szene dokumentieren.
Ein Hongkonger Gericht hatte zuvor die Räumung von Straßenzügen angeordnet.

Die Behörden in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong haben Dienstagfrüh mit der Räumung eines Protestlagers in der Metropole begonnen. Die Demonstranten leisteten zunächst keinen Widerstand, als von Polizisten und Justizbeamten bewachte Arbeiter am Dienstag Metallzäune und andere Barrikaden vor dem Citic Tower im Bezirk Admiralty abbauten.

Ein Hongkonger Gericht hatte zuvor die Räumung von Straßenzügen angeordnet. Protestführer Joshua Wong sagte: "Wir respektieren die Entscheidung des Gerichtes." Aktivisten würden aber weiterhin an anderen Straßenzügen rund um den Regierungssitz bleiben, kündigte der 18 Jahre alte Vorsitzende der Oberschülervereinigung an.

Als die Einsatzkräfte weitere Zäune an einem nahegelegenen Kreisverkehr wegschafften, gab es aber Wortgefechte mit den Demonstranten, die argumentierten, dieser Bereich falle nicht unter die entsprechende gerichtliche Anordnung.

Betroffen ist demnach zunächst nur das Gebiet rund um den Citic Tower, weil durch die Barrikaden der Zugang versperrt war. Die Besitzer des Gebäudes hatten eine Räumung erwirkt. Seit Ende September blockieren die Demonstranten mehrere Hauptverkehrsadern der Metropole.

Hintergrund

Die Proteste hatten sich an den Plänen Pekings entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Seit Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie 1997 an China wird Hongkong als eigenes Territorium autonom regiert.

Vor Wochen hatten Polizisten begonnen, einige Straßenblockaden zu räumen. Daraufhin war es in Mong Kok zu Zusammenstößen zwischen aufgebrachten Aktivisten und Polizisten gekommen. Während eine hochrangigen Gipfeltreffens in Peking vergangene Woche hatte sich die Polizei zurückgehalten.

Anfangs hatten viele Hongkonger Bürger die Proteste unterstützt. Aber nach fast achtwöchiger Blockade von wichtigen Verkehrswegen sinkt der Zuspruch für die Aktivisten- Bisher konnten die Aktivsten keines ihrer Ziele durchsetzen. Am Samstag hatten drei Protestführer versucht, eine Petition in Peking einzureichen. Allerdings wurden sie bereits von der Fluggesellschaft in Hongkong aufgehalten mit der Begründung, ihnen fehlten die nötigen Einreisegenehmigungen. Rund 500 Aktivisten aus Hongkong sollen laut lokalen Medien auf einer Liste der chinesischen Regierung stehen, die ihnen eine Einreise nach China untersagt.

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