Wegen Fluchthilfe in Hongkong festgenommen: Anwalt Daniel Wong

© REUTERS/TYRONE SIU

Politik Ausland
01/14/2021

Polizei in Hongkong geht massiv gegen Fluchthelfer vor

Elf Menschen festgenommen, darunter ist auch der prominente Anwalt pro-demokratischer Aktivisten, Daniel Wong.

Ein Land - zwei Systeme. Das ist Geschichte. Seit China die Zügel in Hongkong straff zieht und auch in der einstigen britischen Kolonie de facto Peking regiert, versuchen immer mehr pro-demokratische Aktivisten die Stadt zu verlassen. Entsprechend scharf geht jetzt die Polizei gegen Fluchthelfer vor.

Sie hat am Donnerstag in Hongkong elf Menschen unter dem Verdacht der Fluchthilfe festgenomme, darunter auch den prominenten Anwalt Daniel Wong. Er hatte im vergangenen Jahr bei Protesten in Hongkong festgenommenen Demonstranten Unterstützung geleistet. Er stand auch hinter einer Kampagne zur Gründung eines Cafés in Taiwan, das Hongkongern im Exil dort Jobs bietet.

Die elf Festnahmen vom Donnerstag stehen nach Medienberichten im Zusammenhang mit der gescheiterten Flucht von zwölf Aktivisten in einem Boot im vergangenen August.

Taiwan als Fluchtziel

Sie waren von Chinas Küstenwache aufgegriffen worden, als sie sich in das freie und demokratische Taiwan - das allerdings auch von Peking beansprucht wird - absetzen wollten.

Statt zurück nach Hongkong wurden die Geflüchteten nach China gebracht. Dort wurden zehn von ihnen im Dezember zu Haftstrafen zwischen sieben Monaten und drei Jahren verurteilt. Zwei Minderjährige wurden der Hongkonger Polizei übergeben. Seither suchen die Ermittler nach Unterstützern, die den „Hongkong 12“ bei ihrer Flucht geholfen haben.

Den elf am Donnerstag Festgenommenen - neben Wong noch sieben Männer und drei Frauen im Alter zwischen 18 und 72 Jahren - werde „Unterstützung von Straftätern“ vorgeworfen, zitierte die „South China Morning Post“ eine Polizeiquelle.

Verschwörerisch

Erst vergangene Woche hatte die Polizei in Hongkong 53 Mitglieder der prodemokratischen Opposition  verhaftet. Allesamt unter dem Hinweis auf das seit Juli geltende neue Sicherheitsgesetz. Es richtet sich gegen Aktivitäten, die Peking als umstürzlerisch, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch ansieht.

Das von Peking erlassene Gesetz ist international auf scharfe Kritik gestoßen, weil es als Verstoß gegen die gemeinsamen Abmachungen bei der Rückgabe der britischen Kronkolonie 1997 an China angesehen wird. Seit damals wurde Hongkong nach dem Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“ als eigenes Territorium regiert.

Abmachung ignoriert

Die Vereinbarungen sahen eigentlich vor, dass die sieben Millionen Hongkonger bis 2047 „ein hohes Maß an Autonomie“ und viele politische Freiheiten genießen.

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