Cristina Fernández de Kirchners Popularität wackelt.

© Reuters/EDUARDO MUNOZ

Parlamentswahlen
10/26/2013

Argentinier entscheiden über Kirchners Zukunft

Die Macht der Präsidentin bröckelt. Übergibt die erkrankte Cristina Kirchner an ihren Sohn?

Mit der argentinischen Wirtschaft geht es bergab, die Regierung soll korrupt sein und immer öfter demonstrieren die Menschen offen gegen die Politik von Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner. Eine schlechte Ausgangslage für die Wahlen am Sonntag: Rund 30 Millionen Argentinier sind aufgerufen ein neues Parlament zu wählen - und könnten damit das politische Ende von Präsidentin Kirchner einläuten.

Alle Wahlprognosen gehen davon aus, dass Kirchners Partei Front für den Sieg (Frente para la victoria) eine Schlappe erleiden wird. Diese würde der Präsidentin den Weg zu einer zweiten Wiederwahl 2015 endgültig versperren. Denn um die dafür nötige Verfassungsreform durchzusetzen, bräuchte sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament – ein unerreichbares Ziel, wenn es nach den Umfragen geht.

Gesundheit unter Beobachtung

Sie selbst wird auf Anordnung der Ärzte nicht wählen können. Nach einer Operation, mit der vor zwei Wochen eine Hirnblutung behandelt wurde, erholt sich die Präsidentin derzeit im Krankenbett in ihrer Privatresidenz. Ihre Erkrankung hat die Spekulationen rund um ihr politisches Ende noch weiter angeheizt. Die Gesundheit der Präsidentin wird in Argentinien genauestens beobachtet – auch, weil sie die Macht weitgehend auf sich konzentriert hat. Da verwundert es wenig, dass Kirchner verkündete, auch im Krankenstand regieren zu wollen.

Ein Jahrzehnt Kirchner

Der Clan der Kirchners drückt dem Land bereits seit Jahren seinen Stempel auf. Zuerst regierte Néstor Kirchner, 2007 übernahm Ehefrau Cristina. Wie groß Néstors Einfluss auf seine Frau war, blieb bis zuletzt unklar. Seit seinem Tod konsultiert sie nur mehr ihre engsten Vertrauten. Negative Nachrichten halte sie von sich fern, wer Kritik an ihren Entscheidungen übt, wird schnell abgesägt.

Nachfolger: Sohn Máximo

"Ich misstraue grundsätzlich allen", bekannte sie auch kürzlich in einem Fernsehgespräch. Einer dürfte ihr allerdings unerschütterlich zur Seite stehen: ihr Sohn Máximo. In Buenos Aires kursieren nun Gerüchte, dass der 36-jährige Sohn der Kirchners von der Präsidentin als Nachfolger inthronisiert werden könnte. Er führt „La Cámpora“, eine militante Jugendorganisation der Kirchners, an. Deren Mitglieder wurden bisher systematisch mit Schlüsselposten in verstaatlichten Konzernen bedacht. Gelänge es Cristina Fernández de Kirchner, ihren Sohn als Nachfolger zu küren, dann könnte die Vorhersage ihres Mannes doch noch eintreffen: Er verkündete kurz vor seinem Tod, dass die Kirchners noch „mindestens bis 2020“ regieren.

Umfragen prognostizieren Niederlage

Doch glaubt man den Umfragen, wird das unwahrscheinlich. In den fünf größten Wahldistrikten des Landes - der Bundeshauptstadt Buenos Aires sowie der Provinzen Buenos Aires, Córdoba, Santa Fe und Mendoza - sollen Niederlagen der Partei Kirchners im Bereich von 8 bis mehr als 20 Prozentpunkten so gut wie fix sein. Verliert sie die Mehrheit im Parlament, würde das ihre Macht gewaltig einschränken. Auch bei den Vorwahlen im August erhielt Kirchners Front für den Sieg landesweit nur rund 30 Prozent der Stimmen, ein krasser Abrutsch im Vergleich zu ihrer Wahl zur Präsidentin im Jahr 2011. Damals ermöglichten ihr 54 Prozent der Wähler eine zweite Amtszeit.

Am stärksten belastet die Präsidentin in den Umfragen die verfahrene Wirtschaftslage. Die Inflation ist mit rund 30 Prozent kaum noch zu bändigen, 40 Prozent der argentinischen Jugendlichen wachsen in Armut auf.

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