Prinzessin Ubolratana von Thailand

© APA/AFP/FRED DUFOUR

Politik Ausland
02/09/2019

Wahlen in Thailand: Schwester des Königs tritt nicht an

Der König hatte die Kandidatur als "unangemessen und verfassungswidrig" kritisiert. Die Prinzessin hatte einen mächtigen Gegner.

Nach der Kritik von Thailands König Maha Vajiralongkorn kandidiert seine Schwester doch nicht bei der Parlamentswahl im März. Die Partei Thai Raksa Chart zog die Kandidatur von Prinzessin Ubolratana für das Amt der Ministerpräsidentin am Samstag zurück. Der König hatte die Kandidatur als "unangemessen und verfassungswidrig" kritisiert.

Prinzessin versus Militär

Die Prinzessin bedankte sich bei ihren Anhängern für die bisherige Unterstützung. Die Prinzessin hatte am Freitag überraschend angekündigt, sich bei der Parlamentswahl am 24. März als Premierministerin zu bewerben. Das gab es in der langen Geschichte des südostasiatischen Königreichs noch nie. Die 67-Jährige ist im Volk sehr populär.

Damit stellte sich Prinzessin Ubolratana gegen Thailands Generäle, die seit einem Militärputsch 2014 an der Macht sind. Die Prinzessin wäre die direkte Konkurrentin des amtierenden Regierungschefs Prayut Chan-o-Cha (64) gewesen. Der Putsch-General hatte einst versprochen, sich nach getaner Arbeit aus der Politik zurückzuziehen. Am Freitag gab er - wie erwartet - jedoch bekannt, dass er Premierminister bleiben will.

Getragen wurde die Kandidatur der königlichen Hoheit von einer Partei, die aus dem Umfeld der gestürzten Regierungschefin Yingluck Shinawatra kommt, der "Thai Raksa Chart" ("Partei der Nationalen Errettung"). Thailändische Medien sprachen von einer "Sensation".

Am Abend sprach König Maha Vajiralongkorn dann aber seiner Schwester praktisch das Recht ab zu kandidieren.

König: Königshaus steht "über der Politik"

In einer Erklärung, die im Fernsehen verlesen wurde, bezeichnete der 66-Jährige die Bewerbung als "unangemessen". Sie stehe auch im Widerspruch zur Verfassung. Das Königshaus stehe "über der Politik". Die letzte Entscheidung über die Zulässigkeit von Kandidaturen liegt bei einem staatlichen Wahlausschuss.

Die Wahl zum neuen Parlament ist nach wiederholter Verschiebung nun am 24. März geplant. Für das 68-Millionen-Einwohner-Land wäre dies ein wichtiger Schritt zurück in Richtung Demokratie. Verlässliche Umfragen gibt es bisher nicht.

Chakri-Dynastie in Thailand

Thailand wird seit 1782 von der Chakri-Dynastie beherrscht. Seit 1932 ist das Land eine konstitutionelle Monarchie. Das Königshaus hat nicht nur wegen seines enormen Reichtums weiter großen Einfluss. Der alte König Bhumibol wurde bis zu seinem Tod 2016 - nach sieben Jahrzehnten auf dem Thron - gottesähnlich verehrt.

Heute steht der älteste Sohn, Maha Vajiralongkorn, an der Spitze der Monarchie. Offiziell gekrönt ist der König, der sich häufig in Deutschland aufhält, allerdings noch nicht. Dies soll Anfang Mai geschehen - sechs Wochen nach der Wahl.

Prinzessin Ubolratana

Die "Königliche Hoheit" - mit vollem Namen Thunkramom Ying Ubolratana Rajakanya Sirivadhana Barnavadi - hat enge Kontakte zu den Shinawatras, die Thailands Politik seit langem mitbestimmen. Familienoberhaupt Thaksin Shinawatra wurde 2006 als Premierminister vom Militär gestürzt. Acht Jahre später ereilte seine Schwester Yingluck das gleiche Schicksal. Beide leben inzwischen im Ausland.

Eine Kandidatur der Prinzessin wärekompliziert gewesen, nicht zuletzt wegen der Gesetzeslage. Thailands Königshaus ist durch ein sehr strenges Gesetz praktisch gegen jede Kritik geschützt.

Ubolratana wurde 1951 in der Schweiz geboren. Sie hat einen Abschluss der amerikanischen Elite-Uni MIT. Wegen ihrer Hochzeit mit einem bürgerlichen US-Amerikaner 1972 verlor sie viele Privilegien. Ein Vierteljahrhundert lang lebte sie unter bürgerlichem Namen in den USA. Nach der Scheidung kehrte sie nach Bangkok zurück. Sie spielte auch schon in mehreren Filmen mit und nahm Platten auf.

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