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Politik Ausland
10/19/2020

Palästinensischer Chefverhandler Erekat auf Intensivstation

Der 65-jährige Saeb Erekat ringt nach Corona-Infektion um sein Leben in einer Jerusalemer Klinik

Der Gesundheitszustand des an Corona erkrankten Generalsekretärs der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Saeb Erekat, hat sich weiter verschlechtert. Der 65-Jährige sei nun in kritischem Zustand, teilte das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem am Montag mit. Wegen Atemnot sei der ehemalige Unterhändler bei Friedensgesprächen mit Israel in Vollnarkose versetzt worden und erhalte nun eine künstliche Beatmung.

Lungentransplantation

Erekat war am Sonntag in die Universitätsklinik gebracht worden. Erekats Behandlung sei eine "immense Herausforderung", weil sein Immunsystem nach einer Lungentransplantation vor drei Jahren unterdrückt sei, hieß es weiter. Dazu kämen nun die Corona-Erkrankung sowie eine bakterielle Infektion. Die ranghöchsten Ärzte von Hadassah seien in Kontakt mit anderen Medizinern weltweit, um die Behandlung abzustimmen. Erekats Familie und die Palästinenserbehörden würden regelmäßig über seinen Zustand informiert.

Der promovierte Politikwissenschaftler war seit Mitte der 1990er Jahre Chefunterhändler bei den Verhandlungen mit Israel gewesen. Seit 2014 liegen diese jedoch brach. Als Konsequenz aus Annexionsplänen Israels im Westjordanland hatte Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas Mitte Mai die Aufhebung aller Vereinbarungen mit Israel und den USA erklärt. Israel hat die Pläne allerdings im Gegenzug für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten auf Eis gesetzt, baut aber seine Siedlungen im Westjordanland weiter aus.

Zwei-Staaten-Lösung

Saeb Erekat setzte sich bis zuletzt für eine Zwei-Staaten-Lösung ein - mit wachsendem Pessimismus. Die diplomatische Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten sah er als entscheidenden Einschnitt: „Ich glaube wirklich, dass dieser Schritt die Zwei-Staaten-Lösung töten wird“, sagte Saeb Erekat. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu habe keinen Grund, sich für die Zwei-Staaten-Lösung zu interessieren, wenn arabische Staaten nacheinander Frieden mit ihm schlössen, sagte Erekat.

Ohne eine solche Lösung aber, die einen eigenen Palästinenserstaat zur Folge hätte, würden am Ende „die israelischen Extremisten und die Extremisten auf unserer Seite gestärkt“, sagte Erekat. Er bezeichnete das Abkommen zwischen Jerusalem und Abu Dhabi als „verzweifelten Versuch“ der USA, den Nahostplan von US-Präsident Donald Trump zu retten.

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