Politik | Ausland
31.03.2018

Palästinenser streiken nach Protest mit mehreren Toten

Präsident Mahmoud Abbas hatte nach den Konfrontationen an der Grenze zu Israel einen "Tag der Trauer" ausgerufen.

Nach den blutigen Unruhen im Gazastreifen sind am Samstag im Westjordanland und in Ost-Jerusalem die Läden geschlossen geblieben. Der Generalstreik bezog sich auch auf Privatschulen, die samstags offen sind. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas hatte nach den Konfrontationen an der Grenze zu Israel einen "Tag der Trauer" ausgerufen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza erschossen israelische Soldaten am Freitag beim "Marsch der Rückkehr" mindestens 15 Palästinenser. Die Nachrichtenagentur AFP meldete mindestens 16 Tote. Mehr als 1.400 wurden verletzt, vor allem durch Tränengas.

Nach palästinensischen Medienberichten waren mehr als 20.000 Menschen zum "Marsch der Rückkehr" gekommen. Die radikal-islamische Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein "Recht auf Rückkehr" für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.

Am Samstag sollen im Gazastreifen die Toten beerdigt werden. Die Bevölkerung ist dazu aufgerufen, die Verletzten zu besuchen.

Israel spricht von "gezielter Provokation"

In der Zwischenzeit hat Israel der im Gazastreifen herrschenden Hamas eine gezielte Provokation vorgeworfen. "Was wir gestern gesehen haben, war ein organisierter Terrorakt", sagte der israelische Armeesprecher Ronen Manelis Journalisten über die Zusammenstöße.

Nach jüngsten Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums waren am Freitag mindestens 16 Palästinenser während des "Marschs der Rückkehr" erschossen oder durch Panzergranaten getötet worden. Mehr als 1400 Demonstranten wurden verletzt, die meisten durch Tränengas.

Nach Angaben des israelischen Militärsprechers waren alle Toten Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren. "Die große Mehrheit von ihnen kennen wir als Terroraktivisten", sagte Manelis.

Gefährdung von Frauen und Kindern

Der Militärsprecher warf der Hamas-Führung vor, auf zynische Weise Frauen und Kinder zu gefährden. Man könne keinesfalls von einer friedlichen Demonstration an der Gaza-Grenze sprechen. Viele Palästinenser hätten "pure Gewalt" eingesetzt und Soldaten mit Steinen und Brandsätzen beworfen, Reifen in Brand gesetzt und versucht, den Grenzzaun zu beschädigen. Es habe auch Versuche gegeben, Raketen auf Israel abzufeuern. Nur aktive Gewalttäter seien getötet worden, keine friedlichen Demonstranten, betonte er.

Die Hamas sei nicht mehr in der Lage, die Bedürfnisse der Gaza-Einwohner zu befriedigen und versuche nun, deren "negative Energie gegen Israel zu kanalisieren". Es gebe auch Geheimdienstinformationen, dass militante Palästinenserorganisationen die Proteste für Anschläge auf israelische Ziele nutzen wollten. Israel werde keinerlei Grenzverletzungen dulden, sagte der Armeesprecher. "Wir werden kein Vordringen von Massen auf unser Gebiet erlauben." Sollten die Proteste wie angekündigt in den nächsten Tagen und Wochen andauern, "werden wir keine Wahl haben, als auch innerhalb des Gazastreifens zu reagieren", sagte Manelis.