Nahost-Konflikt
08/18/2014

Waffenruhe um einen Tag verlängert

Das vorläufige Ergebnis soll Zeit für weitere Gespräche über eine dauerhafte Lösung bringen.

Israel und die Palästinenser haben sich nach palästinensischen Angaben auf eine Verlängerung der Waffenruhe im Gazastreifen geeinigt. Wie ein hochrangiger Vertreter der Palästinenser am Montagabend sagte, stimmten kurz vor Ablauf der aktuellen Kampfpause um Mitternacht (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) beide Seiten einer Verlängerung um weitere 24 Stunden zu. Auf israelischer Seite bestätigte man ebenfalls die Verlängerung.

Mit dieser Einigung soll eine Fortsetzung der Verhandlungen in Kairo über eine dauerhafte Waffenruhe ermöglicht werden. Bei den indirekten Verhandlungen in Kairo konnten sich die israelischen und palästinensischen Unterhändler bisher nicht auf eine dauerhafte Waffenruhe einigen.

Israel beharrte weiter auf einer Entwaffnung der Palästinensergruppen als Vorbedingung für eine weitgehende Lockerung der Blockade des Küstengebiets. Ein ägyptischer Kompromissvorschlag sieht ein zweistufiges Vorgehen vor. Nach einer teilweisen Aufhebung der Restriktionen für Güter- und Personenverkehr soll demnach in einem Monat über die strittigeren Punkte verhandelt werden.

Medien: Waffenruhe mehrere Wochen

Zuvor meldete die Agentur Maan, Unterhändler beider Seiten hätten sich in Stichpunkten auf ein Abkommen geeinigt. Die neue Waffenruhe sollte mehrere Wochen dauern und den Delegationen Zeit geben, Streitpunkte zu klären. Für die Berichte gab es keine offizielle Bestätigung.

Die israelische Nachrichtenseite ynet schrieb, Israel bestehe unter anderem auf strengen Einfuhrkontrollen in den Gazastreifen, die eine Wiederbewaffnung der militanten Palästinenserorganisationen verhindern solle. Hamas lehne dies ab und fordere weiter eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens sowie die Einrichtung eines Seehafens.

Die israelische Chefunterhändlerin Zipi Livni forderte eine "neue Ordnung" im Gazastreifen nach dem Krieg. Die dort seit 2007 herrschende Hamas müsse "einen Schlag erleiden, militärisch und politisch", sagte sie dem israelischen Rundfunk. Die Justizministerin sprach sich für eine langfristige Entmilitarisierung der Küstenenklave am Mittelmeer aus. Die Hamas und andere militante Organisationen lehnen dies ab. Livni erklärte, die palästinensische Autonomiebehörde müsse im Gazastreifen wieder die Kontrolle übernehmen.

Netanyahu droht der Hamas

Am Montagnachmittag hatte Israel mit harten Gegenmaßnahmen gedroht, sollten die militanten Palästinenser im Gazastreifen ihre Raketenangriffe wieder aufnehmen. "Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Montag beim Besuch eines Marinestützpunktes in der Hafenstadt Ashdod, wenige Stunden vor Ende einer Feuerpause.

"Die Armee ist auf einen sehr entschlossenen Einsatz vorbereitet, sollten sie (die Palästinenser) wieder schießen."

Verteidigungsminister Moshe Yaalon sagte, die Offensive im Gazastreifen sei noch nicht abgeschlossen. Man warte auf die Ergebnisse der Gespräche mit den Palästinensern in Kairo. Die radikal-islamische Hamas werde Israel nicht in einen Zermürbungskrieg verwickeln können, sagte er.

Verteidigungsminister Mosche Yaalon sagte, die vor sechs Wochen begonnene Offensive im Gazastreifen sei noch nicht abgeschlossen. Es werde der radikal-islamischen Hamas nicht gelingen, Israel in einen Zermürbungskrieg verwickeln können, sagte er.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas wollte zu dringenden Gesprächen mit dem Hamas-Exilchef Khaled Mashaal nach Katar reisen. Am Wochenende wollte er dann nach Kairo fahren.

Wiederaufbau des Gazastreifens

Ägypten und Norwegen planen unterdessen gemeinsam in Kairo eine Konferenz über den Wiederaufbau des Gazastreifens nach dem Krieg. Die Einladungen zu dem Treffen sollten ausgesprochen werden, wenn bei den Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern eine langfristige Waffenruhe erzielt worden sei, teilten das ägyptische und norwegische Außenministerium mit.

Aus Furcht vor neuen Angriffen aus dem Gazastreifen stellte Israel den Bahnverkehr in der Nähe des Palästinensergebiets ein. Bis auf Weiteres sollten keine Züge zwischen der Küstenstadt Ashkelon und der Grenzstadt Sderot mehr fahren, berichtete die Nachrichtenseite ynet. Das Verteidigungsministerium habe die Sorge, die Züge könnten in Grenznähe mit Panzerabwehrraketen angegriffen werden.

Häuser der Tatverdächtigen zerstört

Mehr als zwei Monate nach der Entführung und dem Mord an drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland zerstörte die Armee die Häuser der palästinensischen Tatverdächtigen. Der zu Monatsbeginn gefasste Hussam Kawasma habe zwei weitere Palästinenser mit der Tat beauftragt, teilte die Armee mit. In der Nacht seien sein Wohnhaus sowie das des weiter gesuchten Marwan Kawasme in Hebron zerstört worden. Das Haus des dritten Tatverdächtigen, Omar Abu Ajshah, sei versiegelt worden.

Israel wirft der radikal-islamischen Hamas vor, verantwortlich für die Tat zu sein. Die Palästinenserorganisation bestreitet dies jedoch. Nach den Morden setzte eine Welle der Gewalt ein, die in die derzeitige Gaza-Krieg mündete.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben in dem Konflikt seit dem 8. Juli aufseiten der Palästinenser 2.016 Menschen, mehr als 10.000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet, Hunderte Menschen erlitten Verletzungen.

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