Verwandte eines getöteten Mitglieds des Islamischen Jihad

© REUTERS/IBRAHEEM ABU MUSTAFA

Nahost-Konflikt
08/22/2014

Israel/Hamas: Kämpfe brechen wieder los

Deutschland, Frankreich und Großbritannien setzen sich indes für eine UNO-Beobachtermission im Gazastreifen ein.

Nach der Tötung dreier Hamas-Kommandanten durch die israelische Armee drohen Israel und die Palästinenser einander mit neuer Gewalt. Hamas-Chef Ismail Haniyeh kündigte an, Israel werde für "seine Verbrechen einen hohen Preis zahlen". Die Ezzedin-al-Qassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas, seien nun stärker, als der Feind es sich vorstelle, sagte Haniyeh in der Nacht zum Freitag.

Militante Palästinenser töteten elf Männer, die mit Israel zusammengearbeitet haben sollen, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Maan am Freitag berichtete. Bereits am Vortag hatte die radikal-islamische Hamas drei mutmaßliche Kollaborateure im Gazastreifen getötet.

Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte am Freitag, Israel werde den Gazastreifen "entsprechend der Notwendigkeit" weiter angreifen. Die drei Militärchefs Mohammed Abu Shimala, Raed al-Attar und Mohammed Barhum waren Donnerstagfrüh bei einem Angriff in Rafah getötet worden. Seitdem seien mehr als 130 Raketen auf Israel abgefeuert worden, sagte eine Militärsprecherin am Freitagvormittag. Israel habe in derselben Zeit rund 50 Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen geflogen, zehn davon in der Nacht zum Freitag.

Dabei seien am Freitag in der Früh vier Menschen getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Maan. Unter den Toten sei auch ein 14-jähriger Bub. Am Donnerstag seien bei israelischen Luftangriffen 34 Menschen gestorben, sagte Ashraf al-Kidra, Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza.

10.000 Reservisten eingezogen

Als "Warnsignal" an Hamas hatte Israel am Donnerstag 10.000 Reservisten eingezogen. Medienberichten zufolge ist die israelische Armee in erhöhter Alarmbereitschaft. Man befürchte Vergeltungsmaßnahmen der Hamas für die Angriffe auf ihre Kommandanten. Arye Shalicar, Sprecher der israelischen Armee, sagte, Israel sei "immer auf den Extremfall vorbereitet". Eine erhöhe Spannung wollte er jedoch nicht bestätigen.

Beratungen über UNO-Beobachtermission

Deutschland, Frankreich und Großbritannien setzen sich für eine UNO-Beobachtermission im Gazastreifen ein. Der Entwurf einer entsprechenden Resolution liege dem UNO-Sicherheitsrat vor, sagte ein UNO-Diplomat am Donnerstag. Die Resolution soll eine Öffnung der Grenzen zum Gazastreifen beinhalten, aber auch Sicherheitsgarantien für Israel enthalten. Die EU will sich demnach stärker in Gaza engagieren. Eine militärische Mission ist allerdings nicht vorgesehen; Blauhelm-Soldaten würden nicht stationiert.

Auch die USA sollen sich nach Medienberichten der Initiative angeschlossen haben. Versuche, eine dauerhafte Waffenruhe durch ägyptische Vermittlung zu erreichen, waren bisher gescheitert. Beobachtern zufolge ist Israel durchaus aufgeschlossen gegenüber der Resolution. Parallel gibt es einen Entwurf von Jordanien, der eine starke palästinensische Handschrift trägt. Unklar ist noch, ob beide Resolutionen bestehen bleiben und wann über sie abgestimmt werden könnte.

Mehr als 2000 Tote

Die israelische Armee greift vermehrt Anführer der radikal-islamischen Hamas an. Neben den drei Militärchefs wurde am Donnerstagabend auch ein ranghohes Mitglied des Islamischen Jihad von einer Rakete getroffen. Der Mann sei in einem Gebäude getroffen worden, aus dem zuvor Raketen auf Israel abgefeuert worden seien, teilte das Militär mit.

Die Gesamtzahl der Toten seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli stieg nach palästinensischen Angaben auf mehr als 2.080. Über 10.000 Menschen seien verletzt worden. Auf israelischer Seite kamen 64 Soldaten und 3 Zivilisten ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Der Krieg in Gaza

Der aktuelle Gaza-Krieg begann nach der Ermordung mehrerer Jugendlicher. Am 30. Juni wurden die Leichen von drei verschleppten jüdischen Religionsschülern gefunden. Israel identifizierte Mitglieder der radikalislamischen Hamas als mutmaßliche Entführer. Wenige Tage später wurde ein 16-jähriger Araber bei Jerusalem ermordet. Drei jüdische Tatverdächtige wurden inzwischen vor Gericht gestellt.

8./9. Juli: Nach massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen fliegen israelische Kampfflugzeuge Dutzende Angriffe.

15. Juli: Israel akzeptiert eine von Ägypten vorgeschlagene Feuerpause. Die Hamas lehnt ab.

17. Juli: Nach einer mehrstündigen Waffenruhe beginnt Israel eine Bodenoffensive, um die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen und deren Tunnel im Grenzgebiet zu zerstören.

21. Juli: Um zu vermitteln, treffen US-Außenminister John Kerry und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in Kairo ein.

26./27. Juli: Eine zwölfstündige Waffenruhe tritt in Kraft. Eine Verlängerung lehnt die Hamas ab, die Angriffe gehen weiter.

30. Juli: Nach dem Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen mit 20 Toten gibt es heftige Kritik an Israel.

31. Juli: UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel und der Hamas die Verletzung des humanitären Völkerrechts vor.

1. August: Waffenruhe hält nur wenige Stunden. Israel beschuldigt die Hamas, einen Soldaten verschleppt zu haben. Für die Suche nach ihm weitet Israel seine Offensive aus.

3. August: Die Armee erklärt den Soldaten für tot. Er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Beim Beschuss einer UN-Schule sterben nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen. Israel beginnt mit dem Abzug seiner Bodentruppen aus dem Gazastreifen.

5. August: Mit Beginn einer dreitägigen Waffenruhe zieht Israel alle Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab. Israelis und Palästinenser beginnen in Kairo Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe.

8. August: Nach Ablauf der Frist feuern militante Palästinenser wieder Raketen Richtung Israel, das mit Luftangriffen reagiert.

10./11. August: Eine weitere dreitägige Feuerpause tritt in Kraft. Beide Seiten verhandeln in Kairo über ein Ende des Krieges.

13. August: Die Waffenruhe wird um fünf Tage verlängert.

18. August: Die Unterhändler verlängern um einen weiteren Tag.

19. August: Noch vor Ablauf der Feuerpause schlagen neue Raketen in Israel ein. Tel Aviv schlägt mit Luftangriffen zurück. Dabei sterben Frau und Sohn von Hamas-Militärchef Mohammed Deif. Sein Schicksal bleibt ungewiss.

21. August: Bei einem gezielten Luftschlag sterben drei Kommandanten der Hamas. Israel beruft 10.000 Reservisten ein.

22. August: Die im Gazastreifen regierende radikal-islamische Hamas richtete laut dem Fernsehsender Hamas TV 18 Palästinenser wegen des Vorwurfs hin, sie hätten mit Israel zusammengearbeitet.

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