Nahost: Anschläge auf Moschee und Synagoge

Ein Mann springt über ein Feuer, während andere mit Tüchern ihre Gesichter bedecken.
Neue Welle der Gewalt: Israel fahndet nach Palästinensern, sie sollen zu Tausenden abgeschoben werden.

In Israel bleibt die Lage angespannt: Jüdische Siedler haben im Westjordanland nach palästinensischen Angaben eine Moschee angezündet. Der Brandanschlag habe sich in der Nacht zum Mittwoch in dem Dorf Al-Mougheir nordöstlich von Ramallah ereignet – dabei sei das gesamte erste Stockwerk, wo sich eine Bibliothek befindet, ausgebrannt.

Brandanschlag auf Synagoge

Die Ortschaft Al-Mougheir liegt in der Nähe der jüdischen Siedlung Shilo und mehrerer "wilder" Außenposten radikaler Siedler. Eine Straße, die in unmittelbarer Nähe vorbeiführt, darf ausschließlich von israelischen Siedlern genutzt werden. Schon 2012 sei im Dorf eine Moschee angezündet worden, berichteten die Sicherheitskräfte weiter. In Nordisrael wurde zugleich eine Brandflasche auf eine Synagoge geworfen, dort entstand aber nur geringer Sachschaden.

Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern hatten sich zuletzt wieder deutlich verschärft. Da sich die Unruhen zum Teil an einem Streit um die Nutzung des Felsplateaus der Al-Aksa-Moschee in der Jerusalemer Altstadt entzünden, das von den Juden als Tempelberg geheiligt wird, warnen Politiker beider Seiten davor, dass der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern in einen Religionskrieg münden könnte.

Abschiebewelle steht bevor

Israel hat deshalb seine Sicherheitsvorkehrungen am Dienstag deutlich verschärft. "Eine erhöhte Alarmstufe wurde ausgerufen" sagte Polizeisprecherin Luba Samri. An möglichen Brennpunkten in Israel und im Westjordanland wurden am Dienstag Sicherheitskräfte stationiert. "Tausende Polizeibeamte, Freiwillige und weitere Verstärkungen bezogen quer durch das Land Stellung", sagte Samri. Zugleich wurde eine Netzfahndung eingeleitet, um tausende Palästinenser abzuschieben, die auf Arbeitssuche illegal nach Israel gelangt sind.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu forderte am Montagabend bei einem Spitzentreffen der Sicherheitsorgane, nun die Zerstörung von "Häusern von Terroristen" aktiv vorzubereiten. Die seit Monaten andauernden Spannungen im von Israel besetzten arabischen Ostteil Jerusalems hatten in den vergangenen Tagen auch auf Israel selbst und das Westjordanland übergegriffen.

Tödliche Übergriffe

Eine Karte von Israel und den umliegenden Gebieten, die eine Reihe von Anschlägen zeigt.
Karte Israel und Westjordanland, Anschläge seit Oktober Grafik 1326-14-Nahost.ai, Format 88 x 55 mm
So wurde am Montag zunächst in Tel Aviv ein Soldat von einem palästinensischen Jugendlichen erstochen, später verletzte ein palästinensischer Messerstecher eine junge Siedlerin im südlichen Westjordanland tödlich. Am Wochenende war ein junger israelischer Araber von Polizisten im Norden Israels unter ungeklärten Umständen erschossen worden. Dies löste gewaltsame Proteste in zahlreichen arabischen Orten Israels aus.

Bei Hebron im südlichen Westjordanland erschoss die israelische Armee am Dienstag bei gewaltsamen Protesten nahe einer Siedlung einen 22-jährigen Palästinenser, wie palästinensische Krankenhausärzte berichteten. Eine Armeesprecherin bestätigte, die Soldaten seien "gegen 150 Palästinenser eingeschritten, die Steine und Brandflaschen auf vorbeifahrende Autos warfen".

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