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Politik Ausland
09/03/2019

Mehrere Tote nach Traktorbombenangriff in Kabul

Die Autobombe in Kabul war mittlerweile der dritte aufsehenerregende Angriff in Afghanistan binnen dreier Tage.

Die radikalislamischen Taliban haben am Montag die Serie ihrer heftigen Angriffe in Afghanistan fortgesetzt. Sie reklamierten einen Autobombenangriff in der N√§he des "Green Village" f√ľr Ausl√§nder im Osten der Hauptstadt Kabul f√ľr sich. Demnach soll die Explosion von einem mit Sprengs√§tzen beladenen Traktor ausgegangen sein. Dem Sprecher des Innenministeriums zufolge wurden mindestens 16 Menschen get√∂tet. Rund weitere 120 Menschen seien verletzt worden.

Die heftige Explosion war nach Angaben von Reportern der Deutschen Presse-Agentur in weiten Teilen der Stadt zu h√∂ren. Auf dem stark gesicherten Wohngel√§nde mit B√ľros f√ľr Ausl√§nder sind unter anderem mehrere internationale Nichtregierungsorganisationen untergebracht, darunter auch die Deutsche Gesellschaft f√ľr Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Durch die Autobombe sei auch eine Tankstelle in der Umgebung explodiert und in Brand geraten, hie√ü es aus dem Innenministerium. Ger√ľchte √ľber Gefechte innerhalb des "Green Village" seien nicht korrekt, hie√ü es aus dem Innenministerium weiter. Bilder in sozialen Medien zeigten, wie eine gro√üe Rauchwolke in den Nachthimmel wuchs.

Das "Green Village" war in diesem Jahr bereits im Januar Ziel eines Anschlags. Damals starben vier Menschen, mehr als 100 wurden verletzt. Die radikalislamischen Taliban reklamierten den Angriff f√ľr sich.

Die Angriff erfolgte w√§hrend den laufenden Bem√ľhungen zwischen den Taliban und den USA, den jahrelangen Konflikt beizulegen. Der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad, der seit dem Vorjahr Verhandlungen mit den Taliban f√ľhrt, hatte in einem wenige Minuten zuvor ausgestrahlten Interview mit dem lokalen TV-Sender ToloNews erkl√§rt, man habe sich mit den Taliban "grunds√§tzlich" geeinigt. Bei den Gespr√§chen geht es vor allem um Truppenabz√ľge und Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen f√ľr Terroristen wird. In der Folge sollen innerafghanische Friedensgespr√§che gef√ľhrt werden.

Die "grunds√§tzliche" Einigung zwischen den USA und den Taliban sei aber erst endg√ľltig, wenn sich US-Pr√§sident Donald Trump damit einverstanden erkl√§re, sagte Khalilzad. Sollte Trump zustimmen, k√∂nne das Abkommen in den n√§chsten Tagen verk√ľndet werden. Vonseiten der Taliban gab es vorerst keinen Kommentar zu Khalilzads Aussagen.

Die Autobombe in Kabul war mittlerweile der dritte aufsehenerregende Angriff in Afghanistan binnen drei Tagen. Am Samstag hatten Hunderte Taliban-K√§mpfer versucht, die n√∂rdliche Provinzhauptstadt Kundus zu √ľberrennen. Am Sonntag griffen Taliban-K√§mpfer die Provinzhauptstadt Pul-e Chumri an. In beiden St√§dten starben nach offiziellen Angaben mindestens 32 Sicherheitskr√§fte und Zivilisten.

Die Taliban erkl√§rten √ľber Twitter am Montagabend, der Angriff in Kabul sei "die Stimme jener unterdr√ľckten Landsleute, die get√∂tet und verwundet werden und deren H√§user durch wiederholte Bombenangriffe und √úberf√§lle zerst√∂rt werden".

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