Libyen: Blitzbesuch von Sarkozy und Cameron
Thank you
Sarkozy" steht an den Wänden geschrieben. Auch in Libyens Hauptstadt Tripolis, aber noch öfter findet man die Graffiti in Bengasi, der Hochburg der Rebellen. "Sarkozy-Fieber" nennt es eine Journalistin der Irish Times: In Kaffeehäusern, in Schulen, auf der Straße, überall hört man den Namen des französischen Präsidenten, Kinder werden nach ihm benannt.
Am Donnerstag war er da. Gemeinsam mit dem britischen Premier David Cameron und den Außenministern Großbritanniens und Frankreichs. Ihr Besuch in Tripolis war lange geplant, wurde aber trotz der riskanten Sicherheitslage überraschend schnell verwirklicht. Sarkozy und Cameron bedankten sich für den herzlichen Empfang der libyschen Bevölkerung. Beide boten bei ihrem ersten Besuch im befreiten Libyen weitere Unterstützung an.
Die französische Regierung bemühte sich, das "historische Ausmaß" des Besuches hervorzuheben, während die Optik ein wenig schief wirkte: Just einen Tag vor dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan waren Sarkozy und Cameron in Tripolis eingetroffen. Ihr Ziel war es offenbar, als erste ausländische Regierungschefs einen Fuß ins befreite Libyen zu setzen. Waren Frankreich und Großbritannien doch die treibenden Kräfte hinter den NATO-Luftangriffen, während sich die Türkei lange zurückhielt.
"Eure Revolution"
Cameron bestand dennoch darauf, keine triumphierende Geste à la George Bush zu machen ("mission accomplished") . "Das ist eure Revolution, nicht unsere", betonte er. "Ihr sagt uns, was ihr braucht, wir werden es euch geben." Als es am Nachmittag weiter nach Bengasi ging, wo Tausende auf Sarkozy und Cameron warteten, war aber doch ein Hauch von Triumph zu spüren.
Erdogan wird erst am Freitag in
Tripolis erwartet, zuvor war er auf Besuch bei den Übergangsräten in Tunis und Kairo. Die Gründe für das Gedränge der Staatschefs in Tripolis scheinen klar: Vor allem Sarkozy war vorgeworfen worden, die Revolutionen in Tunesien und Ägypten verschlafen zu haben. Außerdem wollen sich die Briten, aber vor allem die Franzosen, Aufträge für ihre Ölmultis, vielleicht sogar exklusive Bohrrechte, sichern.
Versprach der Übergangsrat doch am Donnerstag erneut, bei den künftigen Geschäften jene Staaten zu bevorzugen, die ihn am meisten im Kampf gegen Diktator Gaddafi unterstützt hatten.
Rebellen vor Sturm auf Sirte
Indes meldeten die Aufständischen am Donnerstag, dass sie die Vororte von Gaddafis Heimatstadt Sirte erreicht haben. Die Stadt gilt neben Bani Walid als letzte Hochburg des alten Regimes. Die Rebellen hatten den Gaddafi-treuen Kräften ein Ultimatum bis vergangenen Samstag gestellt, sich zu ergeben. Dieses verstrich, jetzt droht der Sturmangriff.
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