Kuba vor dem Kollaps: Diese historische Wunde prägt alles
Havanna, 1898. Als das Schlachtschiff USS Maine im Hafen explodiert, erzittern die Fenster der kolonialen Paläste. Rauch steigt über der Bucht auf, 266 Seeleute sterben und in den Cafés entlang des Paseo del Prado spricht man plötzlich nicht mehr nur von Spanien, sondern vom Nachbarn im Norden. Wenige Wochen später besiegen die USA die Kolonialmacht. Für viele Historiker markiert der Spanisch-Amerikanische Krieg den Moment, in dem Kuba in den Einflussbereich der Vereinigten Staaten wechselte, ohne je vollständig souverän zu werden.
Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 übernehme die USA erstmals vorübergehend die Kontrolle über Kuba.
Wer verstehen will, warum die USA seit mehr als 60 Jahren versuchen, Kuba auszuhungern, muss in der Geschichte zurückgehen: Als Christoph Kolumbus 1492 für die spanische Krone landete, ahnte niemand, dass die Insel zum Zuckerzentrum werden würde. Im 18. Jahrhundert wandelte sich Kuba zur gigantischen Plantagenökonomie. Versklavte Afrikaner arbeiteten auf den Feldern. „Kuba war reich und mächtig, aufgebaut auf kolonialer Ausbeutung“, sagt die Amerikanistin und Kulturhistorikerin Roberta Maierhofer. Zucker wurde Machtmittel und geopolitische Ressource.
Im 19. Jahrhundert blickten US-Politiker mit wachsendem Interesse nach Süden. 1823 schrieb Präsident John Quincy Adams in einem Brief, Kuba werde „durch die Gesetze der politischen Gravitation“ eines Tages den Vereinigten Staaten zufallen. Nach 1898 sicherten sich die USA das Recht auf Intervention. US-Unternehmen kontrollierten die Zuckerproduktion. Die Insel blieb formal souverän, wirtschaftlich jedoch eng verflochten. Diese Abhängigkeit prägte auch das 20. Jahrhundert. US-Kapital floss weiter, Havannas Casinos, Hotels und Zuckerfabriken gehörten zu einem Netzwerk aus kubanischer Oberschicht und US-Interessen.
Kommunisten vor der Haustür
Dann kam 1959. Fidel Castro versprach nationale Würde und soziale Gerechtigkeit. Im Rahmen der sozialistischen Revolution folgten Agrarreform, Enteignung, Verstaatlichung. Auch amerikanischer Firmen. Washington reagierte empfindlich und verhängte ein Embargo gegen den Nachbarn. „Das war natürlich eine erfolgreiche kommunistische Revolution vor der Haustür“, sagt Maierhofer. „Man darf nicht vergessen: Kuba ist von Florida aus zu sehen.“ In der Logik des Kalten Krieges wurde Kuba vom wirtschaftlichen Partner zum sicherheitspolitischen Gegner.
Für Hunderttausende Kubaner begann das Exil. Zwischen 1959 und den frühen 1970er-Jahren verließen mehr als 600.000 Menschen die Insel. „Unternehmer, Ärzte, Juristen, Beamte wurden – so ihr Gefühl – zu Unrecht aus ihren schönen Häusern, ihrem guten Leben vertrieben“, erzählt Maierhofer. „Diese Leute mit Einfluss“ nahmen die USA dann als politische Flüchtlinge auf.
Verrat und Gründungsmythos
1961 dann das größte Trauma: Exilkubaner, von der CIA ausgebildet, wollten die Wende erzwingen, landeten in der Schweinebucht – und warteten vergeblich auf die erhoffte massive US-Luftunterstützung. Die Invasion scheiterte. Unter den Vertriebenen verbreitete sich das Gefühl, der Präsident, der Demokrat John F. Kennedy, habe sie im Stich gelassen. Der Verrat wurde zum politischen Gründungsmythos der Exilgemeinde. Dieses Trauma prägte Generationen.
In Florida entstand eine einflussreiche, ökonomisch erfolgreiche Community. Kubanischstämmige Unternehmer bauten Medien, Banken, politische Netzwerke auf. Bis heute sind sie stark antikommunistisch, die Demokraten gelten vielen als zu kompromissbereit. Das erklärt, warum kubanischstämmige Wähler über Jahrzehnte mehrheitlich republikanische Kandidaten unterstützten – wie jetzt eben Trump, der den einflussreichen Ex-Kubanern die alte Heimat zurückgeben soll.
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