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Politik Ausland
01/23/2020

Jerusalem: Warum die Welt über Macrons Ausraster spricht

Ein Polizist soll die St.-Anna-Kirche auf französischem Staatsgebiet betreten haben. Kritik im Internet an "Schauspieler Macron".

von Karoline Krause-Sandner

"Jeder kennt die Regeln", herrscht Emmanuel Macron einen israelischen Sicherheitsbeamten vor der St.-Anna-Kirche in Jerusalem an. "Bitte gehen sie da raus, niemand muss hier niemanden provozieren", wird der französische Präsident zitiert. Macron lieferte sich am Mittwoch am Rande seines Besuchs der Auschwitz-Gedenkveranstaltung in Jerusalem ein Wortgefecht mit der Polizei. Ein Video des Vorfalls kursiert seitdem im Internet.

Macron dürfte sich daran gestoßen haben, dass der Polizist die St.-Anna-Kirche in der Altstadt von Jerusalem betreten hatte. Die christliche Kirche in der Altstadt, nahe des Löwentores befindet sich in französischem Besitz, ein französischer Orden betreut sie. Der Osmanische Sultan Abdülmecid übergab den Bau 1856 an Kaiser Napoleon III., als Dank für die Unterstützung Frankreichs beim Krimkrieg.

Das Staatsoberhaupt forderte die Sicherheitskräfte auf, die Regeln zu befolgen, "die es seit Jahrhunderten gibt". "Bei mir werden sie sich nicht ändern, das kann ich Ihnen sagen."

Macrons Begleitschutz soll nach dem Wutanfall des Präsidenten eingeschritten sein, der sich zudem darüber aufgeregt haben soll, dass die israelischen Sicherheitskräfte Passanten davon abhielten, ihm di eHand zu schütteln. Nach französischen Medienberichten verließen die israelischen Sicherheitskräfte daraufhin die Kirche.

Der Besuch des französischen Präsidenten in der Kirche war kein Zufall. Das Gotteshaus ist Gegenstand anhaltender kleiner Spannungen zwischen den beiden Staaten. Im Oktober 1996 lieferte der damalige Präsident Frankreichs, Jacques Chirac, ähnliche Bilder, als er  den muslimischen Teil der Jerusalemer Altstadt besucht hat. 

Chirac hat sich dort über die massive Präsenz israelischer Sicherheitskräfte beschwert. "Ich will keine Bewaffneten auf französischem Territorium", sagte er. Als sie ihn zunächst nicht zum Eingang der St.-Anna-Kirche lassen wollten, fing er an, mit einem Polizisten zu streiten. Er sprach von "Provokation". Die Mitschnitte der Konfrontation wurden weit verbreitet, Chirac erlangte damit in der arabischen Welt viel Zuspruch.

Emmanuel Macron erinnert sich selbstverständlich an den Vorfall mit dem mittlerweile verstorbenen Ex-Präsidenten: "Natürlich denke ich auch an ihn, wir alle erinnern uns noch lebhaft an ähnliche Szenen. Und ich denke, dass dadurch, dass wir hierher kommen, die Geschichte weitergeht."

User kommentierten den Macron-Wutanfall als "Medien-Ereignis" bzw. als "Remake" des Chirac-Vorfalls. Andere bezeichnen ihn als "schlechten Schauspieler".

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bat Chirac damals um Entschuldigung, der Präsident erklärte die Sache damit für beigelegt. Die Videos gingen dennoch um die Welt.

Macron ist zum Internationalen Holocaust-Forum nach Israel gereist. Staatsgäste aus fast 50 Ländern nehmen am Donnerstag an einer Gedenkveranstaltung in Jerusalem teil. Anlass ist der 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee.

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