Politik | Ausland
26.07.2018

Jemen-Konflikt greift auf Ölhandel über

Saudis setzen nach Angriff auf Öltanker Fahrten aus, Lage im Jemen wird schlimmer

Nur wenige Tage nach den Drohungen des Iran, die Straße von Hormus zu schließen, droht dem Ölhandel eine weitere Eskalation: Die von Teheran unterstützten Houthi-Rebellen attackierten am Mittwoch zwei saudische Öltanker nahe der Meerenge Bab al-Mandab. Saudi-Arabien stoppte daraufhin alle Öltransporte durch die Meerenge, die eine der wichtigsten Seestraßen der Welt ist. Etwa 40 Prozent des internationalen Handels mit Schiffen werden über Bab al-Mandab abgewickelt.

Die Schiffe hatten jeweils mehr als zwei Millionen Barrel Rohöl geladen, beim Angriff kam es bis auf eine leichte Beschädigung eines Schiffes zu keinen gröberen Schäden.

„Der Stopp ist vorübergehend, bis sich die Lage beruhigt hat und die Passage sicher ist“, sagte der saudische Energieminister Khalid el-Falih. Wie lange dieser Stopp dauert und ob auch Schiffe anderer Länder davon betroffen sein werden, ist noch unklar.

Obwohl sich der Ölpreis am Donnerstag nicht stark verändert hat, könnte ein längerer Stillstand zu stark erhöhten Energiepreisen führen: Die Schiffe müssten anstatt durch das Rote Meer und den Suezkanal zu fahren ganz Afrika umfahren, um Öl nach Europa zu transportieren. Bob Canvar, ein Experte auf dem Gebiet des Ölhandels, warnt davor, dass selbst eine Verzögerung von drei Millionen Barrel pro Tag einen „starken Effekt“ auf die Weltwirtschaft haben könnte.

Humanitäre Krise

Der Angriff auf die Schiffe ging von der Hafenstadt Hodeidah aus, die derzeit heftig umkämpft ist: Die Truppen der international anerkannten Regierung und ihre Verbündeten – allen voran Saudi-Arabien – starteten Mitte Juni eine Offensive auf Hodeihah, das derzeit von den Houthis kontrolliert wird. 70 Prozent aller internationalen Hilfslieferungen für die Bevölkerung im Norden des Landes laufen über diese Stadt. Mehr als 120.000 Menschen befinden sich laut einem UN-Bericht seit Beginn der Offensive auf der Flucht – und das in einem Land, das jetzt schon von einer massiven humanitären Krise betroffen ist.

22 Millionen Menschen sind dringend auf Hilfe angewiesen, Krankheiten wie Cholera richten Tausende zugrunde, große Teile der Bevölkerung sind unterernährt.

Seit 2014 tobt im Jemen ein heftiger Krieg zwischen den schiitischen Houthis und den mehrheitlich sunnitischen Anhängern des ehemaligen Präsidenten Abed Rabbo Hadi. Im März 2015 trat eine Militärallianz unter der Führung Saudi-Arabiens aufseiten der Hadi-Loyalisten in den Konflikt ein. Dem Iran wird vorgeworfen, dass er die Houthis mit Waffen beliefert. Im Osten des Landes breiten sich derweil radikalislamische Milizen wie „El Kaida auf der Arabischen Halbinsel“ und der „Islamische Staat“ aus.