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Libanon, Gaza, Syrien: Seit 2023 besetzt Israel 1.000 Quadratkilometer fremdes Land

Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober begann Israel, weitere Teile Gazas, Syriens und des Libanon zu kontrollieren.
LEBANON-ISRAEL-IRAN-US-WAR

Die „Waffenruhe“ zwischen Israel und dem Libanon war gerade erst in Kraft getreten, da wurde sie auch schon wieder gebrochen. Am Freitag hatten sich die beiden Nachbarländer in Washington darauf geeinigt, die geltende, brüchige Feuerpause um weitere 45 Tage zu verlängern. Der Beginn war für Sonntag um Mitternacht vorgesehen. Nur wenige Stunden später führte Israel erneute Luftangriffe im Südlibanon durch; mindestens sechs Menschen kamen dabei ums Leben. Auch die Hisbollah setzte ihre Angriffe fort: Nach Angaben Israels soll die Terrormiliz am Wochenende 200 Geschosse auf israelisches Gebiet und Soldaten abgefeuert haben.

Insgesamt sind im Libanon laut Behördenangaben seit dem 2. März, als die proiranische Hisbollah Raketen auf den südlichen Nachbarn abgefeuert und Israel daraufhin eine gewaltige Militäroffensive gestartet hatte, mehr als 3.000 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden, darunter mehr als 200 Kinder. Fast 10.000 Menschen sollen verletzt worden sein. Wie viele davon Hisbollah-Mitglieder waren oder sind, ist nicht bekannt.

Israel kontrolliert 68 Dörfer im Libanon

Im Schatten des Iran-Kriegs hat Israel zudem die Besatzung des nördlichen Nachbarlandes massiv vorangetrieben. Vor dem jüngsten Krieg habe es laut dem libanesischen Ministerpräsidenten Nawaf Salam nur fünf von Israel besetzte Orte in seinem Land gegeben. Inzwischen kontrolliere Israel bereits 68 Dörfer. Dabei soll es sich um fast die Hälfte des Gebiets südlich des Litani-Flusses handeln, der etwa 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt liegt. Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich hatte in der Vergangenheit gefordert, diesen zur neuen Nordgrenze Israels zu machen.

Die israelischen Streitkräfte begründen das Vorgehen mit der Sicherheit Nordisraels. Man wolle „die akute Bedrohung“ für die dortigen Bewohner beseitigen und eine Verfestigung der Hisbollah verhindern. Dafür werden ganze Dörfer und Städte dem Erdboden gleichgemacht, weite Landstriche zerstört. Eine Million Menschen wurden vertrieben, das ist jeder fünfte Libanese. Sie dürfen nicht mehr in die Gebiete südlich der „Gelben Linie“ zurückkehren.

Gaza und Syrien

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz vergleicht die Operation mit dem „Gaza-Modell“. In dem Küstenstreifen kontrolliert Israel inzwischen rund 60 Prozent des Gebiets. Die zwei Mio. Palästinenser leben auf nur 40 Prozent der Vorkriegsfläche. Und auch in Syrien besetzt Israel seit dem Sturz des Assad-Regimes große Gebiete. Die dortige militärische Präsenz Israels soll sich laut der Financial Times über eine Fläche von etwa 233 Quadratkilometern erstrecken.

Insgesamt habe Israel seit dem 7. Oktober 2023, als mehr als 3.000 Kämpfer der radikal-islamistische Hamas Israel überfielen und 1.200 Menschen töteten, rund 1.000 Quadratkilometer Territorium seiner Nachbarländer besetzt, so die Zeitung. Das entspreche Gebieten, die etwa fünf Prozent der israelischen Grenzen von 1949 ausmachen. Dazu komme, so die FT, dass Israels Streitkräfte in jedem der drei Gebiete (Libanon, Syrien, Gaza) durch Luftangriffe, Artilleriefeuer, Razzien und Festnahmen die Kontrolle über weitere Landstriche ausüben.

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