Kurden fordern mehr Luftangriffe auf IS
Die syrischen Kurden fordern schärfere Luftangriffe gegen die Extremisten der radikalislamischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das internationale Bündnis gegen den IS müsse deren Kämpfer nun direkt an der Frontlinie in Kobane, einer syrischen Stadt an der Grenze zur Türkei, bombardieren, sagte die Ko-Vorsitzende der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Asia Abdullah, am Freitag gegenüber der dpa. Die bisherigen Angriffe der Koalition seien nicht effektiv gewesen. Die PYD steht der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Sie ist zudem mit den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) verbunden, die Kobane seit Tagen gegen die Terrormiliz verteidigen.
Die USA und ihre arabischen Verbündeten hatten in den vergangenen Tagen IS-Ziele bei Kobane angegriffen, allerdings ohne großen Erfolg. In der Nacht auf Freitag flogen sie Angriffe im Norden und Osten Syriens. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter waren Explosionen in der Nähe der Stadt Deir al-Zour und in der Provinz Al-Rakka zu hören. Aktivisten berichteten von Angriffen auf den Militärflughafen Al-Tabka, den der IS von der syrischen Armee erobert hatte. Trotzdem konnte die Terrormiliz ihren Eroberungszug fortsetzen.
Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte harren in der einst drittgrößten Kurdenstadt in der Region nur noch wenige tausend Menschen aus. Im Zuge des Konfliktes in Syrien sind mehr als 150.000 Kurden in die Türkei geflohen.
KURIER-Leser helfen Syrien-Flüchtlingen
Kämpfe um Kobane
Jihadisten und Kurden liefern sich seit Tagen heftige Kämpfe um die überwiegend von Kurden bewohnten Stadt. Die IS-Kämpfer sollen sich nur noch wenige Hundert Meter vom Stadtrand entfernt befinden. Sie sind damit auch in Sichtweite türkischer Militärposten an der Grenze. Die kurdischen Volksschutzeinheiten wehrten nach eigenen Angaben drei Angriffe der Extremisten ab. Die Beobachtungsstelle berichtete, den Kurden sei es gelungen, zwei IS-Fahrzeuge zu zerstören. Die kurdische Nachrichtenseite Welati meldete, die Kurden hätten einen IS-Panzer zerstört.
Die kurdischen Kämpfer fordern internationale Hilfe, aber nicht von jedem. Abdullah warnte die Türkei vor einem einseitigen Eingreifen. Sollte das türkische Militär in Syrien aktiv werden, müsse das eine "internationale Entscheidung" sein, sagte sie. Das Parlament in Ankara hatte Militäreinsätze in Syrien und im Irak am Vorabend gebilligt.
Türkei sichert Hilfe zu
"Kein anderes Land hat wie unseres die Möglichkeit die Entwicklung in Syrien und im Irak zu beeinflussen, kein anderes Land wird aber auch so davon betroffen sein", sagte der Regierungschef am späten Donnerstagabend im TV-Sender A Haber.
Bereits am Donnerstag sagte die türkische Armee ihren in Syrien an einem Mausoleum stationierten Soldaten im Fall eines Angriffs der Terrormiliz IS sofortige militärische Unterstützung zu. "Vertraut darauf, nur ein Wort von Euch und das türkische Militär wird sofort an Eurer Seite sein", hieß es n einem offenen Brief von Generalstabschef Necat Özel an die Soldaten in Syrien.
Kobane liegt an der Grenze zur Türkei und ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bisher von kurdischen Volksschutzeinheiten beherrscht wurde. Die Terrormiliz kontrolliert bereits mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane und ist den kurdischen Kämpfern zahlenmäßig und von der Ausrüstung weit überlegen.
Australien hilft im Irak
Im benachbarten Irak will sich indes auch Australien am Kampf gegen den IS beteiligen. Laut Ministerpräsident Tony Abbott billigte das Kabinett auf Bitten der irakischen Regierung den Einsatz von Kampfflugzeugen. Der IS habe der Welt den Krieg erklärt, und die Welt antworte darauf, sagte Abbott. Das Kabinett stimmte auch der Entsendung von Spezialkräften zu. Sie sollen die Iraker beraten.
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