Drohnen-Angriffe und Bunker als Parkplätze: Sorge um Sicherheit auf Zypern

In Zypern rührt sich Protest gegen britische Militärbasen auf der Insel. Die Bevölkerung hat Angst, weiter in den Iran-Krieg hineingezogen zu werden - während Schutzvorrichtungen nicht bereit sind.
Anti-war activists in Cyprus stage a protest against U.S. and Israeli-led strikes against Iran, as well as the presence of British bases on the island, in Limassol

Aus Nikosia/ Limassol 

Wieder heulen die Sirenen auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt Royal Airforce Akrotiri südlich der zyprischen Stadt Limassol. Anwohner werden via Nachricht der britischen Sovereign Base Administration gewarnt: 'Es besteht eine anhaltende Sicherheitsbedrohung. Bitte bleiben Sie in Innenräumen und halten Sie sich an Ihrem aktuellen Aufenthaltsort auf, bis eine weitere offizielle Mitteilung erfolgt. Halten Sie sich von Fenstern fern und suchen Sie Schutz hinter oder unter stabilen, festen Möbelstücken. Bitte warten Sie auf weitere Anweisungen.'

Wenige Minuten später gibt es Entwarnung. 

Das war am Montag, dem 9. März - eine Woche nach den ersten iranischen Angriffen auf die britische Militärbasis Akrotiri auf Zypern mit Drohnen, mutmaßlich aus dem Libanon. 

Angst in der Bevölkerung

Seither fühlen sich Anwohner unsicher. Kein anderes europäisches Land, kein Ort im Mittelmeer ist den Entwicklungen dieses Krieges an seinem Horizont so ausgesetzt. Die Lage auf der Urlaubsinsel ist geostrategisch heikel und politisch komplex. Die Zyprer haben Angst, Kollateralschaden des Krieges in Nahost zu werden.

Auch Andreas fürchtet um seine und die Sicherheit seiner Familie. Er lebt mit seiner Frau und den zwei 6- und 9-jährigen Söhnen in einem Dorf etwa 15 Kilometer von Akrotiri entfernt. Nach den iranischen Drohnenangriffen am 2. März entschloss sich die Familie, für einige Tage zu Verwandten zu gehen. Mittlerweile sind sie zurück, sicher fühlen sie sich aber nicht, berichtet Andreas. Immer wieder seien Militärflugzeuge über ihren Köpfen zu hören. Das macht ihnen Angst, denn sie können nicht sagen, was sie zu bedeuten haben. 

Demonstrationen gegen britische Militärstützpunkte werden größer

Auch 80 Kilometer weiter in der geteilten Hauptstadt Nikosia treibt die Sorge die Bewohner um.  'Raus, raus, raus! Britische Militärbasen raus!', skandierten Hunderte Menschen am Samstag bei der bisher größten Demonstration gegen die beiden britischen Militärbasen Akrotiri und Dhekelia auf der Mittelmeerinsel. 'Zypern ist keine Abschussrampe', ist auf einigen Transparenten zu lesen. 

Der Unmut und die Sorge der Bevölkerung, durch die britischen Militärstützpunkte in den Iran-Krieg hineingezogen zu werden, wächst. Gleichzeitig wird befürchtet, dass durch das Aufstocken der griechischen Luftabwehr und Raketenstation in der Region auf Zypern auch alte Konflikte mit der Türkei wieder aufflammen. Die verlegten ihrerseits sechs F-16-Kampfjets in das seit 1974 von der Türkei besetzte Nordzypern. (Die Grenze zwischen dem türkisch besetzten Nordzypern und dem griechischen Teil Zyperns verläuft durch die Hauptstadt Nikosia.)

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Protest gegen britische Militärbase auf Zypern und den Iran-Krieg

'Wir veranstalten schon viele Jahre Protestaktionen gegen die britischen Militärbasen und dagegen, dass die Regierung andere Länder zyprische Flughäfen nutzen lässt, um Militäraktionen im Nahen Osten zu fliegen. Aber so viele Menschen wie jetzt haben sich noch nie bei unseren Aktionen beteiligt. Immer mehr Zyprer engagieren sich. Die Menschen haben Angst', sagt der Aktivist Niko, einer der Veranstalter der Demonstration, zum KURIER.

Die Demonstranten fordern die Auflösung und den Abzug der britischen Militärbasen Akrotiri und Dhekelia und sprechen sich gegen das Entsenden europäischer Fregatten in den Mittelmeerraum aus, etwa von Frankreich, Griechenland und Spanien. Seit dem Drohnenangriff auf Akrotiri am 2. März entsenden immer mehr Länder Fregatten und Jets, um den Luftraum vor weiteren Drohnenangriffen im östlichen Mittelmeerraum zu schützen. Sollte das nicht von der Bevölkerung begrüßt werden, sollten sie sich nicht sicherer fühlen? 'Nein, ganz im Gegenteil. Zypern wird dadurch erst weiter hineingezogen', sagt Niko.

Bunker als Parkplätze, Alarm-System verspätet sich

Hinzu kommt, dass 'Zypern nicht auf eine Beteiligung in diesen Krieg vorbereitet ist', sagt Niko. Beobachter müssen ihm recht geben: Laut der zyprischen Regierung gibt es zwar rund 2.500 Bunker und Luftschutzräume in Zypern, die etwa 45 Prozent der Bevölkerung fassen könnten, allerdings sollen diese in großem Maße unbrauchbar sein. Recherchen von Journalisten haben ergeben, dass viele zivile Luftschutzräume von Anrainern zum Parken der Autos oder von lokalen Geschäften als Lagerraum genutzt werden; einige sollen zugemüllt oder in schlechtem baulichem Zustand oder simpel nicht auffindbar sein. 

Auch das Zypern-weite Warnsystem (PWS) ist nicht einsatzbereit. Nach einigen Verspätungen soll es erst im Juni 2026 implementiert werden. Um diese Lücke zu überbrücken, sollten Besitzer einer zyprischen Nummer Warn-SMS erhalten. Ein erster Test vergangene Woche scheiterte. Manche erhielten die SMS Stunden später, andere gar nicht. Ein zweiter Versuch verlief erfolgreich, wie das Innenministerium am Freitag mitteilte. 

Krieg gefährdet Wirtschaft

Schon der Anschein, ein unsicherer Ort zu sein, schadet indes der Wirtschaft des Inselstaats. Zypern ist hauptsächlich von Tourismus abhängig. Vergangenes Jahr vermeldete Zypern rund vier Millionen Touristen. Gegenüber der britischen Zeitung Guardian monieren Touristiker schon jetzt Stornierungen. 

'Wir sind eine wunderschöne, sonnige Urlaubsinsel. Wir wollen das Leben genießen und nicht in externe Konflikte involviert werden', sagt Niko dem KURIER. Dafür wollen die Aktivisten weitere Proteste organisieren. 

Dafür aber dürfte es seit dem Drohnenangriff am 2. März bereits zu spät sein. Die iranischen Drohnen hatten zwar die britische Militärbasis getroffen, auf dem Weg dahin aber bereits die Souveränität des zyprischen Luftraums verletzt und auch zyprischen Boden und die Bevölkerung gefährdet, bestätigen Völkerrechtler dem KURIER. Zypern ist bereits in diesem Krieg hineingezogen. Es bleibt offen, ob es bei den ersten Angriffen bleibt.  

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