Die irakischen Truppen sollen von US-Militärs ausgebildet werden.

© REUTERS/STRINGER/IRAQ

IS-Terror
11/03/2014

Irakische Armee plant Großoffensive

20.000 Soldaten sollen mit Hilfe von US-Truppen die IS-Kämpfer zurückdrängen. Auch die Stämme im Irak rüsten auf.

Die irakische Armee plant im Frühjahr eine große Offensive gegen die Kämpfer des "Islamischen Staates" (IS), schreibt die New York Times. Wie es in dem Bericht heißt, soll die Offensive mit Hilfe der US-Luftstreitkräfte erfolgen. Die Aktion ist logistisch und politisch eine Herausforderung: Ziel sei es, bis Ende 2015 den Einfluss des IS im Irak zurückzudrängen. Das US-Militär werde sich personell in der Region neu aufstellen, um die Großoffensive zu begleiten. Mehr als 20.000 Soldaten sollen über drei Monate hinweg ausgebildet werden. Offen ist derzeit noch, ob auch US-Bodentruppen teilnehmen. Dies würde eine Richtungsänderung in der amerikanischen IS-Politik bedeuten.

Auch Kanadier fliegen Angriffe

Am Wochenende hat sich nun auch die kanadische Luftwaffe an Angriffen im Irak beteiligt: Kanadische F-18-Kampfjets griffen am Sonntag IS-Ziele in der zentralen Region Falluja mit lasergesteuerten 250 Kilogramm-Bomben an, wie der kanadische Verteidigungsminister Rob Nicholson mitteilte. Das Parlament in Ottawa hatte Anfang Oktober den Militäreinsatz im Irak bewilligt. Kampfjets der Allianz griffen seit dem Wochenende außer im Irak auch fünf Mal mutmaßliche Stellungen des Islamischen Staats rund um die umkämpfte nordsyrische Kurdenstadt Kobane an der Grenze zur Türkei an, wo sich derzeit auch etwa 150 kurdische Peshmerga-Kämpfer aus dem Nordirak auf Kämpfe gegen den IS vorbereiten.

Wegen befürchteter Anschläge sunnitischer Dschihadisten vor dem schiitischen Ashura-Fest befindet sich der Irak im Alarmzustand. Bei zwei Bombenanschlägen gegen Schiiten wurden allein am Sonntag in Bagdad mindestens 19 Menschen getötet. Fünf weitere starben bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum der Hauptstadt. Die IS-Milizionäre verüben im Irak immer wieder Anschläge auf Angehörige der schiitischen Mehrheit, die sie als Ketzer betrachten.

200 Sunniten ermordet

Der Aufstand gegen den Terror wird auch innerhalb der Gebiete stärker: Nach der Tötung von rund 200 Mitgliedern eines sunnitischen Stammes durch den IS werden in der westirakischen Provinz Anbar Rufe nach einer Aufrüstung der dortigen Stämme laut. Ein Vertreter im Provinzrat, Suhaib al-Rawi, erklärte am Montag, die Bewohner dort bräuchten deutlich mehr Waffen, um sich gegen die Dschihadisten verteidigen zu können. Seinen Angaben nach gibt es bereits Beratungen mit der Regierung in Bagdad auch bezüglich der Forderung nach raschen Waffenlieferungen.

Die IS-Extremisten hatten nach Angaben einer irakischen Sicherheitsbeamtin im Westen des Landes innerhalb von drei Tagen zahlreiche Mitglieder des Al-Bu-Nimr-Stammes - darunter auch Kinder - umgebracht (siehe unten). Angehörige des Stammes sollen an der Seite schiitischer irakischer Soldaten gegen den IS gekämpft haben. Die sunnitisch-extremistische Miliz verfolgt den Stamm daher mit besonderer Härte.

Gasfelder unter Kontrolle

Die Extremisten-Miliz soll auch ein zweites Gasfeld in Syrien binnen einer Woche erobert haben. Die Gruppe stellte 18 Fotos über Online-Netzwerke ins Internet, die unter anderem die gehisste Fahne des IS über dem Gasfeld Jahar zeigten, wie der Dienst Site am Montag berichtete, der islamistische Internetseiten beobachtet. Den Islamisten sei es dabei auch gelungen, zwei Panzer, Allrad-Fahrzeuge und mehrere Maschinengewehre zu erobern. Erst am vergangenen Donnerstag hatte der IS das größere Gasfeld Sha'ar unter seine Kontrolle gebracht.

Die Islamisten haben in weiten Teilen Syriens und des benachbarten Irak ein Kalifat ausgerufen. Eine von den USA angeführte internationale Militärallianz versucht, den IS mit Luftangriffen zurückzudrängen.

Massenhinrichtungen: IS tötete 200 Sunniten

Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben binnen drei Tagen rund 200 Menschen bei mehreren Massenhinrichtungen in der westirakischen Provinz Anbar getötet. Bei den Opfern handle es sich um Mitglieder des sunnitischen Albu-Nimr-Stammes, sagte eine irakische Sicherheitsbeamtin aus der Region am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Allein in der Nacht auf Sonntag seien 67 Mitglieder des Stammes umgebracht worden, darunter auch Frauen und Kinder, berichtete die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News unter Berufung auf einen Stammesführer.

Der Stamm Albu Nimr gehört zu den Verbündeten der irakischen Regierung im Kampf gegen die IS-Jihadisten. Obwohl selbst sunnitisch, unterstützt der Stamm auch schiitische Milizen. Die sunnitisch-extremistische IS-Miliz verfolgt den Stamm daher mit besonderer Härte. Seit dem Vorstoß der Jihadisten in den Irak sind Sunniten und Schiiten im Land Beobachtern zufolge stärker denn je gespalten.

Die westlich der Hauptstadt Bagdad gelegene Provinz Anbar gehört zu den am härtesten umkämpften Gebieten des Iraks. Nach Angaben von "Al-Sumaria" hält der IS noch rund 125 Mitglieder des Albu-Nimr-Stammes nördlich der Provinzstadt Ramadi als Geiseln.

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