Großbritannien: Weniger Karenzgeld für Schwangere, die streiken

Demonstranten halten Schilder mit der Aufschrift „Streik zum Sieg“ und „Verteidigt das Streikrecht“.
Hunderte Pfund können den Frauen während ihrer Karenzzeit fehlen, wenn sie davor in der Arbeit fehlen.

„Kann jemand einer besorgten Lehrerin helfen“, fragt eine Britin vor einigen Wochen in einem Online-Forum. Sie wollte den nächsten Streiktag unterstützen. Doch nun habe sie Sorge, dass ihr Karenzgeld gestrichen werden könnte. Die Britin war in der 22. Schwangerschaftswoche. Alle Forumsmitglieder rieten ihr sofort vom Streiken ab.

Im Guardian schilderte diese Woche eine Britin, die als Administratorin an einer Universität arbeitet, das gleiche Dilemma. Ihr wurde von der Gewerkschaft geraten, lieber in die Arbeit zu gehen.

Das gesetzliche Mutterschaftsgeld und ein Teil des vertraglichen Karenzgelds basieren in Großbritannien auf einem Durchschnittsverdienst während des achtwöchigen Zeitraums bis zur 15. Woche vor dem Geburtstermin. Fehlende Tage, etwa durch Streiks, Krankheit oder Geschworenendienst, verringern diesen Durchschnitt und können dazu führen, dass Müttern während der Karenz Hunderte Pfund fehlen.

"Absolut unmoralisch"

Unite und Unison, zwei der größten Gewerkschaften des Landes, wollen dieses System nun ändern, berichtet der Guardian. „Es ist absolut unmoralisch, schwangere Frauen, die sich für eine angemessene Bezahlung gegen gierige Arbeitgeber einsetzen, durch die Kürzung ihres Mutterschaftsgeldes zu bestrafen“, schrieb Sharon Graham, Generalsekretärin von Unite, diese Woche auf der Plattform X. Unite werde das nicht länger zulassen.

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Streiks, ergänzte Christina McAnea, Generalsekretärin von Unison, seien zwar das letzte Mittel, aber sie seien ein grundlegendes Menschenrecht. „Junge Mütter haben bereits so mit steigenden Kosten, Diskriminierung am Arbeitsplatz und der Bedrohung ihrer Arbeitsplätze zu kämpfen. Sie sollten nicht mit dieser finanziellen Strafe rechnen müssen.“ Ihr Appell an die Regierung: Das Schlupfloch muss geschlossen werden. Während Lehrer-Gewerkschaften im Juli ein Gehaltsangebot akzeptiert haben, stehen im September viele Bereiche weiter still.

Am Freitag sind einmal mehr so gut wie keine Züge gefahren. Die Universitätsmitarbeiter haben eine neue Streikrunde beschlossen. Und Jungärzte werden erstmals in der Geschichte der NHS zeitgleich mit Assistenzärzten die Arbeit niederlegen.

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