Griechen plündern ihre Konten
Die Griechen haben Angst vor einem möglichen schlechten Ausgang des Streits um den Schuldenabbau. Und heben nach Informationen aus Bankenkreisen immer mehr Geld von ihren Konten ab. Die Einlagen sind nach Angaben aus der Branche in Athen auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der schweren Schuldenkrise gefallen. Seit November 2014 haben die Griechen insgesamt schon rund 20 Milliarden Euro behoben, berichtet die Zeitung Kathimerini.
Geld unter der Matratze
Grund sei die Angst der Menschen vor einer schlagartigen Verschlechterung der Finanzlage wegen der Unstimmigkeiten zwischen Athen und der EU über den Abbau des griechischen Schuldenberges. Etwa zehn Milliarden Euro seien in "Truhen, Safes oder unter den Matratzen" in den Häusern versteckt, heißt es in dem Bericht. Weitere sechs Milliarden Euro seien in ausländische Wertpapiere investiert worden. Und rund vier Milliarden Euro lägen inzwischen auf Konten im Ausland, schrieb die Zeitung. Dieses "Verbluten" sei in den vergangenen Tagen "mit einem Rhythmus von etwa 200 bis 300 Millionen (Euro) täglich" weitergegangen, bestätigte ein hoher Bankangestellter am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.
Verhandlungen am Wochenende
Am Wochenende wird mit Hochdruck an einer Lösung für die griechische Misere gearbeitet. Auf Beamtenebene soll mit Experten der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds (vormals "Troika" genannt), abgeglichen werden, wo das laufende Hilfsprogramm mit Plänen der neuen Regierung übereinstimmt, und wo es Differenzen gibt. Eine Schlüsselfigur spielt dabei auch ein Österreicher: Thomas Wieser, seit Jahren Chef der "Euro Working Group", jenes Expertengremiums, das die Sitzungen der Euro-Finanzminister am kommenden Montag vorbereitet (mehr dazu lesen Sie hier). Die "Troika" heißt jetzt übrigens "Die Institutionen". Aus Rücksicht auf "offene Wunden" hat man den bei den Griechen verhassten Begriff aus dem europäischen Wortschatz verbannt.
Nach den Wahlen am 25. Jänner hatte Griechenlands linker Regierungschef Alexis Tsipras das Rettungsprogramm für beendet erklärt. Er fordert eine Neuregelung für die griechischen Schulden. Tsipras und Finanzminister Yanis Varoufakis haben angekündigt, nur 70 Prozent der vereinbarten Reformen und Sparmaßnahmen umsetzen zu wollen; die restlichen 30 Prozent sollen "aus sozialen Gründen" gestrichen werden. Grundsätzlich, heißt es im Umfeld der Eurogruppe, seien Änderungen schon möglich – "wenn sie den selben oder zumindest einen ähnlichen Effekt haben".
"Grexit" die teuerste Lösung
Für den Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), Klaus Regling, wäre Griechenlands Ausstieg aus der Eurozone die schlechteste Lösung für alle Beteiligten. Der "Grexit", sei sowohl für Griechenland als auch für den Euroraum die "teuerste Lösung", sagte Regling dem Fernsehsender Phoenix am Freitag. Deshalb sollte versucht werden, sie zu vermeiden. Regling machte sich stark für "Reformen, die mittelfristig zu mehr Wachstum führen". Sie seien "oft oder fast immer politisch schwer umzusetzen", da sich der Erfolg erst nach einigen Jahren einstelle. Die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) könnten unterstützend wirksam werden, sagte der ESM-Chef. Die EZB habe mit ihren jüngsten Beschlüssen zum Ankauf von Anleihen "das Maximale getan, um Zeit zu kaufen". Jetzt seien die Regierungen gefordert.
Die Luft für griechische Banken wird immer dünner. Von der regulären Finanzierung durch die Europäische Zentralbank (EZB) sind sie schon weitgehend abgeschnitten. Inzwischen sind die Institute zur Geldversorgung vor allem auf sogenannte ELA-Notfallkredite ihrer heimischen Notenbank in Athen angewiesen.
Lange gut gehen kann das nicht: Denn die EZB kann umfangreiche ELA-Hilfen nur dann gewähren, wenn die Banken solvent bleiben. Ihr kommt im Schuldenstreit der neuen griechischen Linksregierung mit den internationalen Geldgebern eine Schlüsselrolle zu. Tritt das Katastrophenszenario "Staatspleite" ein, könnte der EZB nicht viel anderes übrig bleiben, als die Reißleine zu ziehen und die ELA-Hilfen an Griechenland zu stoppen.
ELA-Hilfen werden von den jeweiligen nationalen Notenbanken auf deren eigenes Risiko bereitgestellt und sollen nur zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsprobleme dienen. Voraussetzung dafür: Die Zahlungsfähigkeit der Institute. Bisher konnten diese auch griechische Staatsanleihen mit Ramsch-Bonität als Pfand für frisches EZB-Zentralbankgeld nutzen. Doch diese Sonderregelung kippte die EZB unlängst. Viel andere Sicherheiten besitzen griechische Institute aber nicht.
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