"Als Märtyrer gefallen": Gaddafi-Sohn Seif al-Islam gestorben

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Im Alter von 53 Jahren - Seif al-Islam galt lange als möglicher Nachfolger seines Vaters.

Einer der Söhne des verstorbenen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Seif al-Islam, ist tot. Sein Berater Abdullah Othman Abdurrahim erklärte am Dienstag im Onlinedienst Facebook, dass der 53-Jährige gestorben sei: "Vier Männer stürmten das Anwesen von Seif al-Islam Gaddafi, nachdem sie die Überwachungskameras ausgeschaltet hatten", sagte Abdurrahim. "Danach richteten sie ihn hin."

Al-Islams Cousin Hamid Gaddafi sagte dem Rundfunksender al-Ahrar am Telefon, dass Seif al-Islam "als Märtyrer gefallen" sei. 

Seif al-Islam hatte ab den 1990er-Jahren teilweise in Österreich gelebt und in Wien studiert. Er unterhielt unter anderem enge Beziehungen zum damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und FPÖ-Funktionären.

Mehreren Medien zufolge starb Seif al-Islam in der Stadt Sintan im Nordwesten Libyens. Sein Aufenthaltsort war zuletzt unbekannt gewesen. In Libyen herrschen seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos und Gewalt.

Seif al-Islam galt lange als möglicher Nachfolger seines Vaters

Er war lange Zeit als möglicher Nachfolger seines Vaters gehandelt worden und hatte sich vor dem Arabischen Frühling 2011 ein moderates und reformorientiertes Image gegeben. Dieser Ruf löste sich auf, als er angesichts der Protestbewegungen in den nordafrikanischen Ländern "Blutbäder" ankündigte.

Im November 2011 wurde er auf Grundlage eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) im Süden Libyens festgenommen. 2015 wurde er von einem Gericht in Tripolis in Abwesenheit wegen Verbrechen während der Revolte, die zum Sturz seines Vaters führte, zum Tode verurteilt. Später wurde er von einer rivalisierenden Regierung im Osten Libyens begnadigt. 2021 hatte er angekündigt, für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen, die Wahl fand jedoch nie statt.

Auswirkungen auf die Präsidentschaftswahl befürchtet

Aus Sicht des Experten Emad Badi könnte der Tod von Seif al-Islam Gaddafi "ihn in den Augen eines Großteils der Bevölkerung zum Märtyrer machen". Zugleich könnte sein Tod sich auf die Präsidentschaftswahl auswirken, da nun "ein großes Hindernis" dafür aus dem Weg geräumt sei, erklärte Badi im Onlinedienst X. Denn die Kandidatur des zweitältesten Gaddafi-Sohnes und seine Erfolgsaussichten seien "ein zentraler Streitpunkt" gewesen.

Der ehemalige Sprecher der Gaddafi-Regierung, Mussa Ibrahim, verurteilte die Tat als "verräterisch". Er habe erst zwei Tage zuvor mit Seif al-Islam gesprochen. "Er wollte ein vereintes und souveränes Libyen, das für alle seine Einwohner sicher ist", schrieb er bei X. Mit dem Tod des Gaddafi-Sohnes seien nun "die Hoffnung und die Zukunft ermordet und Hass und Ressentiments gesät" worden.

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