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Politik Ausland
07/31/2012

Für Gott und die "Brüder in Syrien"

Die UNO befürchtet einen religiös motivierten Bürgerkrieg. Zunehmend mischen sich Dschihadisten unter die Rebellen.

von Karoline Krause-Sandner

Von Anfang an stützte sich Bashar al-Assad auf das Argument, "islamistische Terroristen" seien für die Unruhen in Syrien verantwortlich. Das hatte nur wenig Substanz, denn Beobachter beschrieben die Aufstände zu Beginn als weitgehend säkular. Erst in den vergangenen Tagen häuften sich Berichte darüber, dass in Syrien vermehrt Dschihadisten – auch aus dem Ausland – gegen das Regime kämpfen. Deshalb warnte zuletzt auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon vor einem religiös motivierten Bürgerkrieg.

Säkulare Anfänge


Nachdem die Aufstände begonnen hatten, bildeten lokale Gruppen Milizen, die zwei Hauptziele verfolgten: den Sturz des korrupten Assad-Regimes und einen freien syrischen Staat. Von Nationalismus getrieben, bewaffneten sie sich und schlossen sich unter der Flagge der Freien Syrischen Armee (FSA) zusammen.

Mittlerweile sind die nationalen Flaggen und Symbole den religiösen gewichen. Die FSA weiß nicht recht, wie sie mit den immer mehr werdenden radikal-i­slamischen Gruppen umgehen soll. FSA-Anführer wissen, dass es in Aleppo, wo es auch gestern wieder zu heftigen Gefechten gekommen ist, zumindest vier Milizen gibt, die gegen das Regime, aber nicht mit der FSA kämpfen. "Sie sind mit uns, aber aus den falschen Gründen", wird ein Mitglied der FSA im Guardian zitiert.

Vor allem in der Provinz Idlib in der Nähe von Aleppo sei "alles voll von Dschihadisten", die unter der schwarzen Flagge des Propheten Mohammed kämpfen, schreibt die New York Times. "Sie werden immer stärker, deshalb wollen wir keine Spannung mit ihnen", wird ein FSA-A­nführer zitiert. Spannungen gibt es aber trotzdem.

Die Dschihadisten sind stark. Sie stellen zwar nur rund 1000 Mann der 50.000 Oppositionskämpfer – doch mit großer Feuerkraft. Während der Westen sich mit finanzieller Unterstützung und Waffenlieferungen an die säkularen Rebellen zurückhält, werden die Islamisten von vielen Seiten unterstützt. Staaten wie Katar und Saudi Arabien, die gegen das alawitische syrische Regime kämpfen, und auch Gruppierungen, etwa die radikalen Salafisten, beliefern sie.

Auch die Rekrutierung fällt den Dschihadisten leichter. Einerseits kommen täglich Mudschaheddin über die Grenze, um für die "Brüder in Syrien" in den Krieg zu ziehen, zudem lassen sich die jungen Männer mit Ideologie offenbar leichter für den Kampf gewinnen. Auch viele Säkulare schließen sich aber mittlerweile an – sie wollen mit den Stärkeren kämpfen.

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